Apostelgeschichte 2,1-47

Das Pfingstereignis

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Hl.Schrift
1Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. 2Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. 3Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. 4Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

Das Wort "Pfingsten" kommt vom griechischen Wort "Pentekoste", was auf Deutsch "der fünfzigste Tag" bedeutet. Pfingsten wird 50 Tage (7x7+1, was der Zahlensymbolik nach Überfülle bedeutet) nach Ostern gefeiert und bildet den Abschluss der 50-tägigen Osterzeit. Die Juden feiern an diesem Tag, 50 Tage nach dem Pessach-Fest, das Schawuot oder Wochenfest, das ursprünglich ein Erntefest als Dank für die Erstlingsfrüchte war, später aber zu einem Fest des Gedenkens an die Offenbarung der Zehn Gebote Gottes am Sinai wurde.
Die Chronologie von Lukasevangelium und Apostelgeschichte verknüpft die beiden bedeutenden christlichen Heilsgeheimnisse des Todes Jesu Christi und der Geistsendung mit diesen beiden großen jüdischen Wallfahrtsfesten. Am Pessach-Fest wurde Jesus hingerichtet und am Schawuot-Fest kam der Geist auf die Jünger herab.
Die Christen feierten zunächst die heiligen fünfzig Tage der Osterzeit „wie einen einzigen Festtag“. Im 4. Jahrhundert bekam jedoch das Fest Christi Himmelfahrt eine immer eigenständigere Bedeutung, was zur Folge hatte, dass die Einheitlichkeit der fünfzig Tage durchbrochen wurde und auch das Pfingstfest nicht mehr als Abschluss der fünfzig Tage gesehen wurde, sondern zu einem eigenständigen Fest mit eigener Oktav wurde. Nach Wegfall der Pfingstoktav kommen heute wieder die fünfzig Tage der Osterzeit stärker zum Vorschein. Der Pfingstmontag als letzter Rest der Pfingstoktav und zweiter Feiertag des Pfingstfestes ähnlich dem Ostermontag bildet ein gewisses Kuriosum, da er liturgisch schon zur Zeit im Jahreskreis gehört.
Die neun Tage zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten haben als Pfingstnovene eine besondere Bedeutung. Hier folgt die Kirche dem Vorbild der Apostelgeschichte, die uns die Jünger zusammen mit Maria und den anderen Frauen im Abendmahlssaal zum Gebet versammelt zeigt. Auch die Nachwahl des Matthias zum Apostel als Ersatz für Judas fällt in diese Tage.
Wenn wir auf das Johannesevangelium blicken, aus dem der Text des Evangeliums am Pfingstsonntag stammt, so sehen wir hier eine andere Chronologie. Jesus wurde nach Johannes nicht am Pessach-Tag, sondern am Rüsttag vor dem Pessach-Fest gekreuzigt. Die Aussendung des Geistes über die Jünger erfolgte nicht erst nach fünfzig Tagen, sondern bereits am Osterabend mit der ersten Erscheinung des Auferstandenen.
Lukas, der ein vortrefflicher Schriftsteller war, versteht es, die Ausbreitung der Kirche von der kleinen „Zelle“ der ersten Jünger in Jerusalem über die ganze Welt spannend zu schildern. Wir können bildlich vor uns sehen, wie das kleine Senfkorn aufgeht und zu einem großen Baum heranwächst. Der Pfingsttag ist der Tag, an dem der Keimling aus dem Korn hervorbricht - durch die Kraft des Heiligen Geistes.
Johannes liefert uns keine solche Geschichte der Kirche. Sein Evangelium endet mit der Auferstehung des Herrn. Wie es dann weiter geht, das erleben die Leser seines Evangeliums zu ihrer Zeit. Er will uns mit den Berichten von den Erscheinungen des Auferstandenen etwas Bleibendes vermitteln. Was die Apostel an Ostern erfahren haben, das kann jeder Mensch erfahren, der sich auf Jesus Christus einlässt.
Jesus tritt in die Mitte der versammelten Jünger. Johannes lässt bewusst offen, wer hier genau versammelt ist. Gehören Maria und die anderen Frauen auch dazu? Hier ist jeder versammelt, der an Jesus glaubt. Wichtig ist der Tag, an dem es geschieht. Es ist der achte Tag, der Sonntag. An ihm versammeln sich seither die Christen zum Gottesdienst. Was Johannes hier schildert, ist nichts anderes als der erste Sonntagsgottesdienst, der seit diesem Ostersonntag durch alle Zeiten hindurch gefeiert wird.
Jesus in der Mitte. Seither ist Jesus mitten unter den Gläubigen, die sich zum Gottesdienst versammeln. Der Friedenswunsch ist ein zentrales Element jeder Heiligen Messe. Gehet hin in Frieden! - Ite missa est! - Ich sende euch. Aus jeder Messe werden wir mit dieser Sendung als Boten des göttlichen Friedens entlassen.
Am Pfingsttag öffnet der Heilige Geist die Tore des Hauses und der Herzen. Nach Tagen des Rückzugs gehen die Apostel auf die Straße hinaus und verkündigen den Auferstandenen Herrn. Der Heilige Geist ist es, der ihnen Wort und Stimme gibt. Zugleich wird der Pfingsttag zum Geburtsfest der Kirche, an dem die Urgemeinde von Jerusalem zum ersten Mal nach dem Tod Jesu öffentlich in Erscheinung tritt und ihre ersten neuen Mitglieder gewinnt.

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Hl.Schrift

Das Bild vom Heiligen Geist, das uns Lukas in der Apostelgeschichte zeigt, sind die Feuerzungen, die auf alle herabkommen. Es ist das Bild des Entzündens. Um eine Kerze zu entzünden, braucht es eine Feuerquelle, ein Streichholz oder ähnliches. Dann brennt die Kerze von alleine weiter. Aber ohne Zündquelle wird sie nie anfangen, zu brennen. So ähnlich wirkt der Heilige Geist. Die Apostel waren schon vorbereitet, sich entzünden zu lassen, und alle Menschen haben die Möglichkeit in sich, entzündet zu werden. Aber es braucht eben diese Feuerquelle. Die Apostel wurden am Pfingstfest entzündet und für alle Menschen danach ist die Taufe das Fest, an dem der Heilige Geist das Feuer in einem Menschen entzündet. Die Taufkerze, die zu jeder Taufe gehört, ist Symbol dafür und diese selbst wird an der Osterkerze entzündet. Die Osterkerze haben wir in der Osternacht als Symbol für Christus, das Licht, in die dunkle Kirche getragen.
Das Feuer verbindet uns mit Jesus Christus, sichtbar im Licht der Kerze, unsichtbar im inneren Feuer, das im Wirken des Heiligen Geistes stets in uns lebendig ist. Die Taufe wird auch als unauslöschliches Prägemal bezeichnet. Niemand vermag das Feuer des Heiligen Geistes in sich wieder auszulöschen. Wir können es verstecken und verdecken, aber doch wird diese Flamme niemals ausgehen. Wenn manchen das bedrohlich erscheinen mag, ist doch auch ein Zeichen der Hoffnung. Gottes Kraft bleibt stets in uns.
Aber ist das nicht nur frommes Gerede? Erleben wir uns im Alltag nicht oft alles andere als entflammt und be-geistert? Der Heilige Geist ist Gabe und Aufgabe. Wir bekommen ihn geschenkt, aber wir müssen sein Feuer hüten. Wir sind dazu berufen, unser Leben in die Hand zu nehmen. Das mag oft schwer erscheinen, Hindernisse werden uns in den Weg gelegt, aber doch gibt es in allen Situationen auch einen, der uns trägt.
Der Heilige Geist ist "die leise, stille Flamme, die nicht zerstört, aber doch voll heiliger Kraft ist", wie Benedikt XVI. einmal in einer Predigt gesagt hat. Wir müssen schon aufmerksam sein, um seine Kraft zu spüren, und wir müssen auch bereit dazu sein, uns von seiner Kraft verwandeln zu lassen. Nicht immer entspricht das, was wir wollen, dem, wozu der Heilige Geist uns führen will. Es bedarf der Beständigkeit im Alltag, der Achtsamkeit in den kleinen Dingen. Nur so können wir unser Leben von Grund auf durch dieses unscheinbare Feuer beeinflussen lassen und so kann uns die Kraft erwachsen, die dann Großes bewirken kann.

Komm, Heiliger Geist!
Zeige uns Gottes Gegenwart in deiner Kirche und in uns!
Schenke uns die Zuversicht, dass wir stets mit Gott und seiner Macht verbunden sind.
Christus thront zur Rechten des Vaters, erhoben über alle Mächte und Gewalten.
Mit ihm sind auch wir erhoben, wenn wir mit ihm verbunden bleiben.
Heiliger Geist, lass nicht zu, dass wir von Christus getrennt werden.
Rufe uns, führe uns, heilige uns!
Amen.
5In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. 7Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? 8Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: 9Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, 10von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, 11Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.
12Alle gerieten außer sich und waren ratlos. Die einen sagten zueinander: Was hat das zu bedeuten? 13Andere aber spotteten: Sie sind vom süßen Wein betrunken. (Apg 2,1-13)
Am Pfingstfest zeigt sich der Heilige Geist durch das Zeichen eines Sturmwindes, durch Feuerzungen und das Sprechen der Apostel in allen Sprachen. Das ist ein Zeichen dafür, dass die babylonische Zersplitterung - Ergebnis des Hochmuts, der die Menschen trennt - in dem Geist, der Liebe ist und Einheit in der Verschiedenheit spendet, überwunden ist. Die Kirche spricht vom ersten Augenblick ihres Bestehens an in allen Sprachen - durch die Kraft des Heiligen Geistes und der Feuerzungen - und lebt in allen Kulturen; sie zerstört nichts von den verschiedenen Gaben, von den verschiedenen Charismen, sondern fasst alles in einer großen und neuen Einheit zusammen, die versöhnt: Einheit und Vielgestaltigkeit. (Benedikt XVI.)

Im Folgenden skizziert die Apostelgeschichte die lange Pfingstpredigt des Petrus:

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Hl.Schrift
14Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem! Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte! 15Diese Männer sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst die dritte Stunde am Morgen; 16sondern jetzt geschieht, was durch den Propheten Joël gesagt worden ist:
17In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott: Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und eure Töchter werden Propheten sein, eure jungen Männer werden Visionen haben, und eure Alten werden Träume haben. 18Auch über meine Knechte und Mägde werde ich von meinem Geist ausgießen in jenen Tagen und sie werden Propheten sein. 19Ich werde Wunder erscheinen lassen droben am Himmel und Zeichen unten auf der Erde: Blut und Feuer und qualmenden Rauch. 20Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln und der Mond in Blut, ehe der Tag des Herrn kommt, der große und herrliche Tag. 21Und es wird geschehen: Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet. (Joel 3,1-5)
22Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - 23ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. 24Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt; denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde.
25David nämlich sagt über ihn: Ich habe den Herrn beständig vor Augen. Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht. 26Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Zunge und auch mein Leib wird in sicherer Hoffnung ruhen; 27denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis, noch lässt du deinen Frommen die Verwesung schauen. 28Du zeigst mir die Wege zum Leben, du erfüllst mich mit Freude vor deinem Angesicht. (Ps 16,8-11)
29Brüder, ich darf freimütig zu euch über den Patriarchen David reden: Er starb und wurde begraben und sein Grabmal ist bei uns erhalten bis auf den heutigen Tag. 30Da er ein Prophet war und wusste, dass Gott ihm den Eid geschworen hatte, einer von seinen Nachkommen werde auf seinem Thron sitzen, 31sagte er vorausschauend über die Auferstehung des Christus: Er gibt ihn nicht der Unterwelt preis und sein Leib schaut die Verwesung nicht.
32Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen. 33Nachdem er durch die rechte Hand Gottes erhöht worden war und vom Vater den verheißenen Heiligen Geist empfangen hatte, hat er ihn ausgegossen, wie ihr seht und hört.
34David ist nicht zum Himmel aufgestiegen; vielmehr sagt er selbst: Es sprach der Herr zu meinem Herrn: Setze dich mir zur Rechten, 35und ich lege dir deine Feinde als Schemel unter die Füße.
36Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Messias gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt. (Apg 2,14-36)
37Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?
38Petrus antwortete ihnen: Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. 39Denn euch und euren Kindern gilt die Verheißung und all denen in der Ferne, die der Herr, unser Gott, herbeirufen wird.
40Mit noch vielen anderen Worten beschwor und ermahnte er sie: Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation! 41Die nun, die sein Wort annahmen, ließen sich taufen. An diesem Tag wurden (ihrer Gemeinschaft) etwa dreitausend Menschen hinzugefügt. 42Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten. (Apg 2,37-42)

Nach dem Pfingstereignis kommt es zu ersten Bekehrungen. Die junge Kirche wächst. Durch die Taufe werden ihr neue Glieder hinzugefügt. Das Festhalten an der Lehre der Apostel und die gemeinsame Feier des Brotbrechens sind Kennzeichen der Christen von Anfang an bis heute. Im Leben der ersten Christen zeigt sich ihre besondere Berufung. Gütergemeinschaft und gemeinsames Gebet zeichnen sie aus, ein Ideal, das später vom Mönchtum wieder aufgegriffen werden wird.

43Alle wurden von Furcht ergriffen; denn durch die Apostel geschahen viele Wunder und Zeichen. 44Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. 45Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel, wie er nötig hatte. 46Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens. 47Sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt. Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu, die gerettet werden sollten. (Apg 2,43-47)