Offenbarung 22,1-21

Lebensstrom, Schluss

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Heilige Schrift
Und er zeigte mir einen Strom, das Wasser des Lebens, klar wie Kristall; er geht vom Thron Gottes und des Lammes aus. Zwischen der Straße der Stadt und dem Strom, hüben und drüben, stehen Bäume des Lebens. Zwölfmal tragen sie Früchte, jeden Monat einmal; und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker. Es wird nichts mehr geben, was der Fluch Gottes trifft. Der Thron Gottes und des Lammes wird in der Stadt stehen und seine Knechte werden ihm dienen. Sie werden sein Angesicht schauen und sein Name ist auf ihre Stirn geschrieben. Es wird keine Nacht mehr geben und sie brauchen weder das Licht einer Lampe noch das Licht der Sonne. Denn der Herr, ihr Gott, wird über ihnen leuchten und sie werden herrschen in alle Ewigkeit. (Offb 22,1-5)

Wasser ist lebensnotwendig. Wie einst die vier Ströme vom Paradies aus die ganze Erde bewässert haben, so war es später der Strom der Tempelquelle, der in der Vision des Ezechiel der Welt das Wasser des Lebens gebracht hat. Die Neue Welt Gottes zeichnet eine bisher nicht gekannte Gottesunmittelbarkeit aus. So geht auch das Wasser des Lebens unmittelbar von Gott aus. Es ist rein und klar. Es fließt durch die ganze Stadt und wohin es fließt, da erblüht das Leben.
Lebensbäume stehen in Hülle und Fülle am Ufer des Stroms und tragen überreich Früchte. Sie dienen zur Nahrung, nicht für ein vergängliches Leben, sondern für die Ewigkeit und ihre Blätter bringen Heilung. Dieses Bild macht deutlich, dass die neue Welt Gottes doch Ähnlichkeiten mit der bisherigen Welt aufweist. Die Menschen werden auch dort Wasser zu Leben und Nahrung brauchen, aber wie im Paradies wird alles wie von selbst da sein und muss nicht erst mühsam erarbeitet werden.
Hier finden wir auch eine Antwort auf die Frage, warum Gott in dieser Welt den Tod zulässt. Im Paradies gab es auch einen Lebensbaum. Seine Früchte hätten den Menschen schon damals Unsterblichkeit verliehen. Aber mit der Vertreibung aus dem Paradies, hat der Mensch auch den Zugang zu diesem Baum verloren. Nun gibt Gott den Menschen unbegrenzten Anteil am Baum des Lebens. Und wenn es doch eine Krankheit geben sollte, so schenken die Blätter des Lebensbaumes augenblicklich Heilung.
Nun wird es nichts mehr geben, was der Fluch Gottes trifft. Gott wird über die Stadt herrschen und alle werden ihm bereitwillig dienen. Es ist eine gerechte Herrschaft, die allen Bewohnern wahres Glück und unvergänglichen Wohlstand gewährt. Alle werden stehen im ewigen Licht Gottes, das auf alle segenspendend scheint ohne Nacht und Finsternis.

Und der Engel sagte zu mir: Diese Worte sind zuverlässig und wahr. Gott, der Herr über den Geist der Propheten, hat seinen Engel gesandt, um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss. Siehe, ich komme bald. Selig, wer an den prophetischen Worten dieses Buches festhält. Ich, Johannes, habe dies gehört und gesehen. Und als ich es hörte und sah, fiel ich dem Engel, der mir dies gezeigt hatte, zu Füßen, um ihn anzubeten.
Da sagte er zu mir: Tu das nicht! Ich bin nur ein Knecht wie du und deine Brüder, die Propheten, und wie alle, die sich an die Worte dieses Buches halten. Gott bete an! Und er sagte zu mir: Versiegle dieses Buch mit seinen prophetischen Worten nicht! (Offb 22,6-10a)

Die Worte des Engels bekräftigen noch einmal die Zuverlässigkeit dessen, was Johannes geschaut hat. Es sind Bilder, die denen, die sich daran orientieren, Leben schenken. Darum soll das Buch auch nicht versiegelt werden, sondern allen zugänglich sein. Die Visionen weisen hin auf Gott. Er ist der Mittelpunkt des Buches. Johannes aber ist so ergriffen von dem, was hier geschieht, dass er vor dem Engel anbetend niederfällt. Dieser aber verweist auf Gott. Nur ihm gebührt Anbetung. Dieser Hinweis auf den Sendenden ist das Charakteristikum aller wahren Boten und Propheten. Sie stellen sich nicht selbst in den Mittelpunkt, sondern stehen da als Wegweiser und machen den Weg frei zu dem, der sie gesandt hat.

Denn die Zeit ist nahe. Wer Unrecht tut, tue weiter Unrecht, der Unreine bleibe unrein, der Gerechte handle weiter gerecht und der Heilige strebe weiter nach Heiligkeit. Siehe, ich komme bald und mit mir bringe ich den Lohn und ich werde jedem geben, was seinem Werk entspricht. Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. Selig, wer sein Gewand wäscht: Er hat Anteil am Baum des Lebens, und er wird durch die Tore in die Stadt eintreten können. Draußen bleiben die «Hunde» und die Zauberer, die Unzüchtigen und die Mörder, die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut. Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt als Zeugen für das, was die Gemeinden betrifft. Ich bin die Wurzel und der Stamm Davids, der strahlende Morgenstern. (Offb 22,10b-16)

Noch einmal der drängende Hinweis darauf, dass es keine Zeit zu verlieren gibt. Die Umkehr kennt keinen Aufschub. Wer nicht bereit ist, schnell umzukehren, der soll weiter so leben, wie bisher, aber er muss dann auch mit den Konsequenzen leben. Nur wer umkehrt, sein Gewand wäscht im Blut des Lammes, von Gott die Vergebung seiner Sünden erbittet und sie sich schenken lässt, wird Anteil bekommen am ewigen Leben und in die Stadt Gottes eingelassen werden. Nicht mehr der Engel als Mittler spricht hier, sondern Jesus Christus selbst, der alle Welt und Zeit umspannt und alles zu seiner Erfüllung führt.
Das Ziel eines jeden Menschen ist es, in diese Stadt, das himmlische Jerusalem, zu gelangen. Christus fordert die Reinheit als Bedingung für den Eintritt. Rein wird der Mensch in erster Linie durch die Taufe. In ihr schenkt Gott dem Menschen umsonst die Erlösung. Doch ist das Geschenk der Taufe Gabe und Aufgabe zugleich. Aus Liebe zu Christus ist der Mensch aufgefordert, in seinem Leben aus dieser Taufgnade heraus zu leben und sich so von dieser Welt zu unterscheiden. Schon in diesem Leben soll sichtbar werden, dass wir nun nicht mehr von dieser Welt sind, sondern dass unsere Heimat im Himmel ist.

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Heilige Schrift
Der Geist und die Braut aber sagen: Komm! Wer hört, der rufe: Komm! Wer durstig ist, der komme. Wer will, empfange umsonst das Wasser des Lebens.
Ich bezeuge jedem, der die prophetischen Worte dieses Buches hört: Wer etwas hinzufügt, dem wird Gott die Plagen zufügen, von denen in diesem Buch geschrieben steht. Und wer etwas wegnimmt von den prophetischen Worten dieses Buches, dem wird Gott seinen Anteil am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt wegnehmen, von denen in diesem Buch geschrieben steht.
Er, der dies bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. - Amen. Komm, Herr Jesus!
Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen! (Offb 22,17-21)

Komm, Herr Jesus! - Mit diesem sehnsüchtigen Ruf endet die Offenbarung des Johannes, nachdem der Seher uns den Blick geöffnet hat für die Geheimnisse der irdischen und der himmlischen Welt. Auch Paulus überliefert uns am Ende des Ersten Korintherbriefes diesen Gebetsruf der frühen Kirche:
Marana tha - Unser Herr, komm!
Sehnsüchtig erwartet die Kirche seit dem Fortgang des Herrn bei seiner Himmelfahrt seine Wiederkunft.
Erwarten auch wir den wiederkommenden Herrn, oder haben wir es uns in dieser Welt bequem eingerichtet, dass wir uns von ihm jetzt nicht unbedingt stören lassen möchten?
Bald sollte das Kommen des Herrn erfolgen, doch nun sind schon fast 2000 Jahre seit diesen Ereignissen vergangen. Wo bleibt der Herr? Sicher war seine Verheißung nicht Lug und Trug. Auch wenn sein endgültiges Kommen noch aussteht, so erfahren wir doch stets Zeichen seiner Gegenwart, die uns deutlich machen, dass der Herr schon jetzt mitten unter uns ist.
Wir vereinen uns mit der frühen Kirche im Gebet um den Heiligen Geist. Der Geist ist es, der in uns und durch uns ruft: Komm Herr Jesus. Er macht uns bereit, für das Kommen des Herrn. Wie einst der Geist bei jenem ersten Pfingsten die Zungen der Jünger löste und sie zum Zeugnis befreite, so ersehnen auch wir den Geist, dass er uns in alle Wahrheit einführt und zu Zeugen Jesu Christi macht.
Nicht erst jenes letzte Kommen des Herrn ist entscheidend, sondern stets ist sein Kommen in die Mitte der Kirche und in das Herz jedes Menschen von größter Bedeutung. Dafür wollen wir uns bereiten, darum wollen wir beten und dieses Kommen ersehnen. Das Kommen des Herrn verwirklicht sich auch in der treuen Erfüllung unserer Pflichten im Alltag. Um uns darin einzuüben, können uns die folgenden Worte aus der "Philothea" des Hl. Franz von Sales eine Hilfe sein:

Jedermann weiß, dass man nichts Schlechtes wünschen darf. Ich sage noch mehr: Wünsche dir auch nichts, was deiner Seele gefährlich ist. Wünsche dir keine fernliegenden Dinge; manche ermüden und zerstreuen damit ihr Herz ganz unnütz und setzten sich der Gefahr großer Unruhe aus. Die unnützen Wünsche nehmen überdies jenen den Raum, die ich jetzt haben soll: geduldig zu sein, alles auf mich zu nehmen und zu ertragen, mich willig zu fügen, in meinem Leben ruhig zu bleiben; denn das verlangt Gott jetzt von mir.
Statt unnützer Wünsche soll ich vielmehr den hegen, meine augenblicklichen Pflichten gut zu erfüllen. Ich möchte nicht einmal, dass man sich einen besseren Verstand oder ein besseres Urteil wünscht, denn diese Wünsche sind zwecklos; vielmehr sollte man wünschen, seinen Verstand oder sein Urteil, wie sie sind, zu pflegen. Ebenso soll man sich nicht sehnen nach Mitteln, Gott zu dienen, die man nicht hat, vielmehr jene gewissenhaft gebrauchen, die uns zur Verfügung stehen.
Sehne dich nur in dem Maß nach Kreuzen, als du jene gut tragen kannst, die dir bisher auferlegt wurden. Es ist ein Unfug, sich nach dem Martertod zu sehnen, wenn man nicht den Mut hat, eine Beleidigung zu ertragen. Der böse Feind flößt uns eine mächtige Sehnsucht nach fernen Dingen ein, die niemals geschehen werden, um unseren Geist von dem abzulenken, was wir jetzt zu tun haben oder was uns viel nutzen könnte, wenn es auch unscheinbar ist.
Ich sage nicht, dass man alle guten Wünsche fallen lassen, sondern dass man sie regeln soll. Die man jetzt nicht ausführen kann, soll man in einem Winkel des Herzens zurückstellen, bis ihre Zeit gekommen ist, und inzwischen jene ausführen, die reif und jetzt zeitgemäß sind. Das sage ich nicht nur für die geistlichen, sondern auch für alle irdischen Wünsche; sonst leben wir nur in Unruhe und Aufregung.