Matthäus 6,1-18

Almosen, Gebet, Fasten

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Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten.
Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir her posaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut. Dein Almosen soll verborgen bleiben und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. (Mt 6,1-4)
Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. (Mt 6,5)

Almosen, Gebet und Fasten sind grundlegende Ausdrucksformen von Religiosität. Im Gebet sucht der Gläubige die geistige Beziehung zu Gott und durch das Fasten macht er sich körperlich frei für diese Gottesbeziehung. Im Almosen gibt er etwas von seinem Besitz freiwillig an andere, die dies nötiger brauchen als er selbst.
Doch gerade weil Almosen, Gebet und Fasten mehr als alles andere Tun des Menschen den Glauben deutlich machen, stehen sie auch in Gefahr, zur Heuchelei zu verkommen. Vielleicht ist das heute in unserer säkularen Gesellschaft nicht mehr so das Problem, aber in einer Gesellschaft, in der Religiosität einen hohen Stellenwert hat gibt es immer wieder Menschen, die durch öffentliche Zurschaustellung ihrer Frömmigkeit bei anderen Eindruck erwecken wollen.
Besonders "fromme" Menschen demonstrieren ihr Beten in der Öffentlichkeit und geben sich ein trübseliges Aussehen, dass die anderen merken, dass sie fasten. Ihr Almosen geben sie so, dass möglichst viele dies sehen. Doch Almosen, Gebet und Fasten sind keine frommen Werke, die man nach außen zur Schau trägt, um von anderen gelobt zu werden. Gebet und Fasten sind Ausdruck einer intimen Beziehung zu Gott und daher etwas ganz persönliches zwischen Mensch und Gott. Nach außen hin sehen die Menschen das Tun der wahren Gerechtigkeit als Folge wahren Betens und Fastens. Darauf kommt es an. Wer aber für sein Beten und Fasten das Ansehen der Menschen genießen will, der hat keinen Lohn von Gott zu erwarten.

Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet.
So sollt ihr beten:
Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt,
dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde.
Gib uns heute das Brot, das wir brauchen.
Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen.
Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben.
Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben. (Mt 6,6-15)

Sie finden eine Auslegung zum Vater Unser bei dem Text zur Parallelstelle im Lukasevangelium.

Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. (Mt 6,16-18)

Mehr zum Thema Fasten finden Sie auf meiner Website praedica.de, Impulse zur Fastenzeit.