Matthäus 5,13-16

Salz der Erde

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Bergpredigt
Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. (Mt 5,13)

Jesus hat in den Seligpreisungen gezeigt, welches Verhalten er von seinen Hörern erwartet. So zu leben erfordert Mut. Jesus weiß darum, wie leicht wir Menschen mutlos werden, wenn wir auf Widerstand stoßen, wie schwer es uns fällt, gegen den Strom zu schwimmen. Aber die Welt braucht Menschen, die durch ihr Leben das Himmelreich auf Erden erfahrbar machen. Sie sind das Salz der Erde.
Ohne Salz schmeckt das Essen nicht. Gäbe es keine Menschen, die sich für Frieden, Gerechtigkeit und wahre Menschlichkeit einsetzen, würde das Leben aller Menschen verkümmern. Der Mensch wäre nichts anderes als eine Nummer, ein Kostenfaktor, ein Rädchen im Getriebe. Aber jeder Mensch ist kostbar, jeder Mensch ist ein Individuum, jeder Mensch hat von Gott einen Namen, der nur ihm gehört und ihn als eigenständige Person auszeichnet, jeder Mensch hatte einen Auftrag von Gott, den nur er erfüllen kann.
Diese Individualität inmitten unserer Welt zu leben und sich für die einzusetzen, denen diese Individualität verweigert wird, erfordert Kraft und Mut. Jesus sagt nicht, dass nur wenige diese Kraft und diesen Mut aufbringen könnten. Er sagt zu allen seinen Zuhörern: Ihr seid das Salz der Erde. Jeder Mensch hat die Kraft dazu, weil wir diese Kraft nicht aus uns selbst zu nehmen brauchen, sondern weil sie von Gott kommt. Wir brauchen nur den Mut, im Vertrauen auf Gottes Hilfe den ersten Schritt zu tun. Das ist die Herausforderung an uns. Wenn wir ängstlich stehen bleiben, dann taugen wir letztlich nicht dafür, die Würze Gottes in die Welt zu bringen. Aber wir dürfen auch wissen: Jesus gibt uns unser ganzes Leben lang die Möglichkeit, immer neu damit anzufangen, wir dürfen es immer neu wagen, diesen Schritt zu tun.
Salz der Erde sein heißt den zu Mut haben, die Dinge beim Namen zu nennen und einzutreten für die Gerechtigkeit. - Dieser Mut lässt uns neue Wege gehen, auf die Gott uns führt.

Die Apostel sind Verkünder der himmlischen Dinge und salzen gleichsam mit Ewigkeit. Sie werden zu Recht Salz der Erde genannt, weil sie durch die Kraft der Lehre gleichsam salzen, das heißt die Körper für die Ewigkeit aufbewahren. (Hilarius von Poitiers)

Salz, das seinen Geschmack verliert, wird weggeworfen und zertreten.

Nicht der wird von den Menschen zertreten, der Verfolgung leidet, sondern der aus Angst vor der Verfolgung schal wird. Denn zertreten werden kann nur der, der am Boden ist. Am Boden liegt aber nicht, wer trotz vieler Leiden auf der Erde dennoch mit seinem Herzen fest im Himmel verankert bleibt. (Augustinus)
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Bergpredigt
Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. (Mt 5,14-16)

Ähnlich wie das Wort vom Salz der Erde, so macht auch das Wort vom Licht der Welt deutlich, welche Funktion die Gläubigen in der Welt haben. Jedoch wird Jesus hier noch etwas genauer. Das Licht, durch das die Gläubigen leuchten, sind ihre guten Werke. Diese sind es, die nicht verborgen bleiben und das Licht in die Welt bringen.
Bei den Wüstenvätern heißt es:

Zeige, was du bist, mehr durch das, was du lebst, als durch das, was du lehrst.

Worte können blenden, es ist leicht, schöne Dinge zu sagen und zu schreiben. Aber wirklich gut zu leben, das erfordert ein hohes Maß an Übung und Disziplin, erfordert echte Verbundenheit mit Gott.
Man hat den frühen Christen immer wieder vorgeworfen, dass sie einen widernatürlichen Lebenswandel hätten. So deutete man aus Unkenntnis die Tatsache, dass sich die Christen untereinander als Brüder und Schwestern bezeichneten, als unsittliches Zusammenleben gedeutet und das Essen von Christi Leib in der Eucharistie ließ das Gerücht der Menschenfresserei aufkommen. Solche Vorurteile hatten anfangs viele gegen die Christen. Aber wenn die Menschen richtig hinsahen, konnten sie erkennen, dass den Menschen, die Jesu Worte wirklich ernst nahmen und danach lebten, kein verwerfliches Verhalten vorgeworfen werden konnte.
Das gute Verhalten der Christen weist hin auf den guten Gott. Hier nennt Jesus in seiner Rede Gott zum ersten Mal Vater. Der Gott der Christen ist wie ein guter Vater zu den Menschen, und seine Kinder, die sich als Brüder und Schwestern bezeichnen, leben wie eine gute Familie zusammen und tun allen Menschen Gutes.
Im Johannesevangelium sagt Jesus selbst von sich: "Ich bin das Licht der Welt." Es ist kein Wiederspruch, wenn Jesus hier zu den Gläubigen sagt: "Ihr seid das Licht der Welt." Dadurch wird vielmehr deutlich, welch enge Verbindung zwischen Christus und jedem Gläubigen besteht. Wer so lebt, wie Gott es will, der wird Jesus Christus immer ähnlicher, wird zu einem Bild Christi in dieser Welt. Durch ihn scheint das Licht, das Jesus Christus selbst ist.
Wir können im Wort Jesu vom Licht der Welt noch eine weitere Bedeutung erkennen. Licht der Welt, das war nach dem Verständnis der gläubigen Juden die Weisung Gottes, die Thora. Jesus aber nimmt dies nun für seine Worte in Anspruch. Jesus selbst ist der Lehrer der Wahrheit Gottes, mehr noch, er selbst ist diese Wahrheit.

Ich bat Gott um ein Licht,
damit ich sicheren Fußes
der Ungewissheit entgegen gehen kann.
Aber Gott antwortete mir:
gehe nur in die Dunkelheit
und lege deine Hand
in meine Hand.
Das ist besser als ein Licht
und sicherer als ein bekannter Weg.