Lukas 20,41-21,4

Schriftgel. u. arme Witwe

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Da fragte er sie: Wie kann man behaupten, der Messias sei der Sohn Davids? Denn David selbst sagt im Buch der Psalmen: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich mir zur Rechten, und ich lege dir deine Feinde als Schemel unter die Füße. David nennt ihn also "Herr". Wie kann er dann Davids Sohn sein?
Jesus sagte vor dem ganzen Volk zu seinen Jüngern: Hütet euch vor den Schriftgelehrten! Sie gehen gern in langen Gewändern umher, lieben es, wenn man sie auf den Straßen und Plätzen grüßt, und wollen in der Synagoge die vordersten Sitze und bei jedem Festmahl die Ehrenplätze haben. Sie bringen die Witwen um ihre Häuser und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete. Aber um so härter wird das Urteil sein, das sie erwartet.
Er blickte auf und sah, wie die Reichen ihre Gaben in den Opferkasten legten. Dabei sah er auch eine arme Witwe, die zwei kleine Münzen hineinwarf. Da sagte er: Wahrhaftig, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr hineingeworfen als alle anderen. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss geopfert; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat ihren ganzen Lebensunterhalt hergegeben. (Lk 20,41 - 21,4)

Der Text steht am Ende einer langen Auseinandersetzung Jesu mit seinen Gegnern in Jerusalem. Harte Worte findet Jesus gegen die Schriftgelehrten, die ihre Frömmigkeit zur Schau tragen und dafür von den Menschen Ansehen genießen. Doch was sie Gott als scheinbar großzügiges Opfer bringen ist nichts anderes als ein kleiner Teil von dem, was sie anderen - auf ganz legalem Weg - weggenommen haben.
Das Opfer der Witwe ist in materieller Hinsicht wertlos, einen Cent gibt sie nach heutiger Rechnung, was ist das schon. Und doch ist es im Verhältnis zu dem, was diese Frau besitzt, sehr viel. Sie, die so gut wie überhaupt nichts besitzt, musste sich diesen Cent noch mühsam vom Mund absparen.
Ein nach außen hin frommes Leben kann sehr bequem sein, wenn man dafür das Ansehen der Menschen gewinnt, auch wenn man dafür doch ach so viel entbehren muss ... Soll ein geistliches Leben wirklich fruchtbar werden, so muss es etwas kosten, es muss ein wirkliches Opfer bedeuten, einen wirklichen Verzicht.
Was das für jeden einzelnen bedeutet, lässt sich nicht grundsätzlich sagen. Da muss sich jeder selbst immer wieder prüfen - und dabei immer wieder an die Worte Jesu denken: Sie haben nur etwas von ihren Überfluss gegeben - diese Frau aber hat alles gegeben.
Etwas anderes ist noch wichtig: Jesus kritisiert nicht, dass die Frau etwas opfert. Er sagt nicht, wie man es ja heute oft hört, der Tempel und die Schriftgelehrten, die schwimmen im Geld, warum ist dann die arme Witwe so blöd und gibt ihren ganzen Besitz für die.
Nein, grundsätzlich gehört das Opfer Gott und wer dem Tempel ein Opfer darbringt, der tut es zur Ehre Gottes. Strafe finden nur die, die mit dem, was Gott gehört, ungerecht umgehen.