Jakobusbrief 5,1-20

Mahnungen, Schluss

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Heilige Schrift
Ihr aber, ihr Reichen, weint nur und klagt über das Elend, das euch treffen wird. Euer Reichtum verfault und eure Kleider werden von Motten zerfressen. Euer Gold und Silber verrostet; ihr Rost wird als Zeuge gegen euch auftreten und euer Fleisch verzehren wie Feuer. Noch in den letzten Tagen sammelt ihr Schätze. Aber der Lohn der Arbeiter, die eure Felder abgemäht haben, der Lohn, den ihr ihnen vorenthalten habt, schreit zum Himmel; die Klagerufe derer, die eure Ernte eingebracht haben, dringen zu den Ohren des Herrn der himmlischen Heere. Ihr habt auf Erden ein üppiges und ausschweifendes Leben geführt und noch am Schlachttag habt ihr euer Herz gemästet. Ihr habt den Gerechten verurteilt und umgebracht, er aber leistete euch keinen Widerstand. (Jak 5,1-6)

Erneut wendet sich Jakobus hier an die Reichen, an jene, die andere ausbeuten, nur um selbst immer mehr zu haben.
Himmelschreiendes Unrecht geschieht immer wieder auf der Erde. Menschen wird ihr Lohn vorenthalten, sie werden behandelt wie Sklaven, müssen sich fügen und können sich nicht wehren. Andere stecken den Lohn für ihre Arbeit ein um ihn zu verprassen und im Reichtum zu schwelgen.
Doch was nützt all der Reichtum? Was hat davon Bestand - bis in die Ewigkeit? Aller Reichtum wird hier zu Müll, wenn er ungerecht erworben ist.
Reichen Gewinn kann der mit seinem Reichtum machen, der ihn verteilt, unter die Armen verschenkt, damit Gutes tut.
Wird jedoch der ungestraft davonkommen, der ungerecht zusammengerafften Reichtum für sich alleine hortet und sich ein schönes Leben macht?

Darum, Brüder, haltet geduldig aus bis zur Ankunft des Herrn! Auch der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde, er wartet geduldig, bis im Herbst und im Frühjahr der Regen fällt. Ebenso geduldig sollt auch ihr sein. Macht euer Herz stark, denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor. Klagt nicht übereinander, Brüder, damit ihr nicht gerichtet werdet. Seht, der Richter steht schon vor der Tür.
Brüder, im Leiden und in der Geduld nehmt euch die Propheten zum Vorbild, die im Namen des Herrn gesprochen haben. Wer geduldig alles ertragen hat, den preisen wir glücklich. Ihr habt von der Ausdauer des Ijob gehört und das Ende gesehen, das der Herr herbeigeführt hat. Denn der Herr ist voll Erbarmen und Mitleid. (Jak 5,7-11)

Geduld ist eine wertvolle Tugend. Der Bauer muss warten, bis die Pflanzen von selbst wachsen. Er kann sie nicht aus der Erde herausziehen und so beim Wachsen nachhelfen. Und doch versuchen wir in vielem, mit Gewalt zu einem Ergebnis zu kommen, anstatt geduldig zu warten, bis sich die Dinge fügen.
So können die Menschen auch das Kommen des Herrn nicht beschleunigen. An vielen Stellen im Neuen Testament wird eine Naherwartung des Endes deutlich. Viele haben erwartet, dass der Auferstandene Herr nach kurzer Zeit zum Gericht wiederkommt. Daher galt es, möglichst schnell vielen Menschen auf der Erde den Glauben zu verkünden.
Doch das Kommen des Herrn in seiner Herrlichkeit lässt auf sich warten. Sicher sind dadurch einige im Glauben unsicher geworden. Es ist auch ein Unterschied, ob man sich darauf einstellt, für kurze Zeit ein strenges sittliches Leben zu führen, um dann mit den ewigen Freuden belohnt zu werden, oder ob man nun ein ganzes Leben so leben soll. Da ist die Gefahr groß, in den alten Trott vor der Bekehrung zurückzufallen, es sich wieder bequem einzurichten in der Welt.

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Heilige Schrift

Macht euer Herz stark! Jakobus ruft die Gläubigen auf, durchzuhalten. Es wäre schade, wenn einige zu früh aufgeben und dann, wenn es soweit ist und der Herr kommt, nicht bereit sind. Er verweist auf die Propheten, auf Ijob, auf die Gerechten des Alten Bundes, die alle in ihrem Leben viele Mühen zu bewältigen hatten, aber durchgehalten haben im Vertrauen auf Gottes Hilfe.
Gott ist da, das zeigt sich nicht erst in seiner Wiederkunft in Herrlichkeit. Gott ist da, das können wir in unserem Leben, unserem Alltag erfahren. Gott geht auf allen Wegen mit uns. Auch wenn das Leben viele Schwierigkeiten und Leiden birgt, Gott geht mit uns, er ist bei uns, er führt uns, ist voll Erbarmen und Mitleid.

Das Gebet hat große Macht,
das ein Mensch verrichtet mit seiner ganzen Kraft.
Es macht ein bitteres Herz süß,
ein trauriges Herz froh,
ein armes Herz reich,
ein törichtes Herz weise,
ein zaghaftes Herz kühn,
ein schwaches Herz stark,
ein blindes Herz sehend,
eine kalte Seele brennend.
Es zieht den großen Gott in ein kleines Herz und
treibt die hungrige Seele hinauf zu dem Gott der Fülle.

Mechthild von Magdeburg
Vor allem, meine Brüder, schwört nicht, weder beim Himmel noch bei der Erde noch irgendeinen anderen Eid. Euer Ja soll ein Ja sein und euer Nein ein Nein, damit ihr nicht dem Gericht verfallt. (Jak 5,12)

Die Mahnung, nicht zu Schwören, erinnert uns an Jesu Wort in der Bergpredigt (Mt 5,33-37). Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein, genauso redet Jesus.

Ist einer von euch bedrückt? Dann soll er beten. Ist einer fröhlich? Dann soll er ein Loblied singen.
Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben. (Jak 5,13-15)

Der Jakobusbrief fordert uns dazu auf, unsere Gefühle zum Ausdruck zu bringen, wir dürfen zeigen, dass wir fröhlich sind, wird dürfen es vor allem auch Gott zeigen und ihm dafür ein Loblied singen. Wer bedrückt ist, der soll Gott um seine Hilfe in der Not bitten.
Wir haben hier einen Hinweis, dass die Praxis der Krankensalbung bereits früh in der Kirche geübt wurde. Jesus hat viele Menschen geheilt, ebenso die Apostel, später aber nimmt die Zahl der Heilungen erkennbar ab. Von Heiligen werden Heilungswunder berichtet, an Wallfahrtsorten geschehen Heilungen.
Heute können selbst viele Christen nicht mehr an solche Wunder glauben. Allein die Medizin ist heute für das Heilen zuständig. Sicher, die Medizin ist auch für das Heilen zuständig. Aber Heilung geschieht auch durch das Gebet.
Obwohl wir heute eine sehr hoch entwickelte Medizin haben, sind die Ursachen für viele Krankheiten im Dunkeln. Oft wird dann versucht, die Symptome einzudämmen, aber man kommt nicht an die Wurzel der Krankheit heran.
Das Gebet aber hat die Kraft, im Inneren des Menschen die Heilung der Krankheit von der Wurzel her zu bewirken. Sicher ist das nur für eine bestimmte Art von Krankheiten möglich. Aber doch erfährt der Kranke im Gebet der Menschen für ihn eine Kraft, die ihn aufrichtet und Hoffnung gibt und die ihm hilft, auch wenn keine Hoffnung auf Heilung mehr besteht, dies zu tragen.

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Heilige Schrift
Darum bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheiligt werdet. Viel vermag das inständige Gebet eines Gerechten. Elija war ein Mensch wie wir; er betete inständig, es solle nicht regnen, und es regnete drei Jahre und sechs Monate nicht auf der Erde. Und er betete wieder; da gab der Himmel Regen und die Erde brachte ihre Früchte hervor. (Jak 5,16-18)

Die Macht des Gebetes zeigt der Jakobusbrief am Beispiel des Propheten Elija. Wir sollten die Kraft des Gebetes nicht unterschätzen!
Wichtig ist es auch, einander die Sünden zu bekennen. Das bedeutet hier, das Unrecht nicht unausgesprochen zwischen den Menschen stehen zu lassen. Um Vergebung bitten und Vergebung gewähren. Wie viele Krankheiten und Nöte der Menschen entstehen dadurch, weil Menschen einander nicht vergeben können und sich so ihr Leben lang gegenseitig quälen.

Meine Brüder, wenn einer bei euch von der Wahrheit abirrt und jemand ihn zur Umkehr bewegt, dann sollt ihr wissen: Wer einen Sünder, der auf Irrwegen ist, zur Umkehr bewegt, der rettet ihn vor dem Tod und deckt viele Sünden zu. (Jak 5,19-20)

Der Jakobusbrief schließt unvermittelt. So wie am Anfang des Briefes keine Begrüßung stand, so endet er auch ohne Gruß.
Ihre Stellung am Ende des Briefes gibt den letzten Worten ein besonderes Gewicht. Wir sind für den Bruder verantwortlich. Wir sollen einander helfen, den rechten Weg zu gehen.
Wie kann das geschehen? Es ist damit sicher nicht der Terror gemeint, den einige religiöse Fanatiker anwenden, um Abweichler wieder auf Linie zu bringen. Jeder Mensch hat die Freiheit, sich für den Weg zu entscheiden, den er gehen möchte.
Vielmehr gilt es, die Hand immer offen zu haben, um die aufzunehmen, die von ihren Irrwegen zurückkehren, wie es uns Jesus im Gleichnis vom barmherzigen Vater lehrt.