Jakobusbrief 4,1-17

Streit,Selbstsicherheit

.
Jak
Woher kommen die Kriege bei euch, woher die Streitigkeiten? Doch nur vom Kampf der Leidenschaften in eurem Innern. Ihr begehrt und erhaltet doch nichts. Ihr mordet und seid eifersüchtig und könnt dennoch nichts erreichen. Ihr streitet und führt Krieg. Ihr erhaltet nichts, weil ihr nicht bittet. Ihr bittet und empfangt doch nichts, weil ihr in böser Absicht bittet, um es in eurer Leidenschaft zu verschwenden. (Jak 4,1-3)

Kampf, Leidenschaft, Verschwendung. Die einen raffen zusammen, die anderen gehen leer aus, Gottes Schöpfung wird ausgebeutet, was bleibt ist ödes Land - und eine Leere im Herzen.
Die mahnenden Worte des Jakobusbriefes sind auch heute aktuell. Wie gehen wir in unserer Konsumgesellschaft mit Gottes Schöpfung um? Wir haben alles in Fülle und verschwenden Unmengen von Lebensmitteln und Rohstoffen - während die Natur zerstört wird anderswo Menschen kaum das Nötigste zum Leben haben.
Wegwerfgesellschaft - ist das die Krone des Fortschritts? Sicher kann ein einzelner nicht das ganze System ändern, aber jeder kann mit seinem Verhalten ein Zeichen setzten. Jeder kann sich selbst darum bemühen, verantwortungsvoll mit Gottes Schöpfung umzugehen.
Haben-Wollen, immer mehr, obwohl man es eigentlich nicht unbedingt braucht, um die eigene Gier zu befriedigen und andere zu übertreffen. Wo führt das hin? - Es entstehen Krieg und Streit, statt liebevolles Miteinander, wie uns der Jakobusbrief offen sagt.
Ehrfurcht und Dankbarkeit vor Gottes Schöpfung - bin ich mir bewusst, dass die Schöpfung Gottes Geschenk an uns ist und dass uns ihre Gaben nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen? Danke ich Gott jeden Tag für das Gute, das er mir schenkt?

Ihr Ehebrecher, wisst ihr nicht, dass Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist? Wer also ein Freund der Welt sein will, der wird zum Feind Gottes. Oder meint ihr, die Schrift sage ohne Grund: Eifersüchtig sehnt er sich nach dem Geist, den er in uns wohnen ließ.
Doch er gibt noch größere Gnade; darum heißt es auch: Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade. Ordnet euch also Gott unter, leistet dem Teufel Widerstand; dann wird er vor euch fliehen.
Sucht die Nähe Gottes; dann wird er sich euch nähern. Reinigt die Hände, ihr Sünder, läutert euer Herz, ihr Menschen mit zwei Seelen! Klagt und trauert und weint! Euer Lachen verwandle sich in Trauer, eure Freude in Betrübnis. Demütigt euch vor dem Herrn; dann wird er euch erhöhen. (Jak 4,4-10)

Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon (Lk 16,13). Was das bedeutet führt uns der Jakobusbrief hier lebhaft vor Augen. Ehebrecher nennt er die Menschen, die vorgeben, Christen zu sein, denen aber die Freundschaft mit der Welt wichtiger ist als die Freundschaft mit Gott.
Eifersüchtig ist Gott gegenüber den Menschen, die ihm die Treue gelobt haben und doch von ihm abfallen um anderen Götzen zu dienen, weil sie das große Geschenk, das sie von Gott erhalten haben, den Geist, der sie zu Kindern Gottes macht, verachten und mit Schmutz beflecken.
Vielleicht ist Eifersucht zu negativ besetzt. Ich denke hier an Hosea 11, das Gott als Liebhaber zeigt, der um die Liebe der Menschen wirbt. Gott will nicht eifersüchtig zürnen, sondern er will mit seiner unendlichen Liebe die Menschen zu sich ziehen.
Gott ist nicht fern. Leicht ist es, sich vom Teufel verführen zu lassen und den Gelüsten der Welt zu folgen. Doch ein "Nein" im Namen Gottes gegenüber der Versuchung lässt diese schwinden und entlarvt deren Aufgeblasenheit, die nichts ist als dicke Luft. Wer sich aber Gott nähert, der wird die Fülle des Lebens erlangen, ein wirklich erfülltes Leben.

.
Jak
Verleumdet einander nicht, Brüder! Wer seinen Bruder verleumdet oder seinen Bruder verurteilt, verleumdet das Gesetz und verurteilt das Gesetz; wenn du aber das Gesetz verurteilst, handelst du nicht nach dem Gesetz, sondern bist sein Richter. Nur einer ist der Gesetzgeber und Richter: er, der die Macht hat, zu retten und zu verderben. Wer aber bist du, dass du über deinen Nächsten richtest? (Jak 4,11-12)

"Richtet nicht!" Auch Jesus mahnt uns ausdrücklich dazu (Mt 7,1). Ebenso weisen viele Aussprüche der Wüstenväter darauf hin, dass wahre Tugend darin besteht, nicht über andere zu richten.
"Keine andere Tugend ist wie die: keinen verachten!"
"Tue keinem etwas Böses und urteile über niemand! Das beachte und du wirst das Heil finden!"
Das bedeutet aber nicht, den anderen ungebremst ins eigene Verderben laufen zu lassen. Der Jakobusbrief schließt mit dem Hinweis auf die Verantwortung für den Bruder (5,19f). Aber es ist ein Unterschied, ob wir jemanden in Liebe und aller Diskretion auf einen Fehler hinweisen, oder ob wir auf einen anderen ob seiner Fehler verachtend herabschauen. Wir wissen ja nicht, wie wir handeln würden, wenn wir in einer ähnlichen Situation wären. Wir bedürfen immer des Erbarmens Gottes!

Ihr aber, die ihr sagt: Heute oder morgen werden wir in diese oder jene Stadt reisen, dort werden wir ein Jahr bleiben, Handel treiben und Gewinne machen -, ihr wisst doch nicht, was morgen mit eurem Leben sein wird. Rauch seid ihr, den man eine Weile sieht; dann verschwindet er.
Ihr solltet lieber sagen: Wenn der Herr will, werden wir noch leben und dies oder jenes tun. Nun aber prahlt ihr voll Übermut; doch all dieses Prahlen ist schlecht. (Jak 4,13-16)

Diese Verse formulieren eine klare Lebensregel. "Der Mensch denkt und Gott lenkt", sagt ein Sprichwort. Wir machen viele Pläne und oft kommt es tatsächlich so, wie wir es uns vorgestellt haben. Das ist gut so, nur sollten wir dies nicht nur unseren Fähigkeiten zuschreiben, sondern auch Gott für das Gelingen unserer Pläne danken. Mehr noch, wir sollten Gott von Anfang an in unsere Pläne mit einbeziehen und stets danach fragen, ob das, was wir tun, auch seinem Willen entspricht.

Wer also das Gute tun kann und es nicht tut, der sündigt. (Jak 4,17)

Das vierte Kapitel schließt mit einem sehr eindringlichen Satz. Gott verlangt von uns nichts unmögliches, aber stets so viel, wie uns möglich ist. Immer wieder stehen wir vor Situationen, in denen unser Einsatz gefragt ist. Sind wir bereit, da das unsere zu tun, oder gehen wir vorüber als ob es uns nichts angeht?
"Ich bekenne, dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe", so beten wir im Schuldbekenntnis. Sünde entsteht nicht nur durch böses Tun, sondern auch durch Unterlassung des Guten.