1 Petrus 1,3-25

Lebendige Hoffnung

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Heilige Schrift
Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns in seinem großen Erbarmen neu geboren, damit wir durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten eine lebendige Hoffnung haben und das unzerstörbare, makellose und unvergängliche Erbe empfangen, das im Himmel für euch aufbewahrt ist. (1Petr 1,3-4)

Der Erste Petrusbrief, der uns im Lesejahr A durch die Osterzeit begleitet, beginnt mit einem Lobpreis an Gott. Auch wenn die im Brief dargestellte Situation der Christen die Bedrängnis ist, steht doch das Lob Gottes an erster Stelle. Nirgendwo finden wir eine Klage über die hereinbrechenden Bedrängnisse. Sie zerstören nicht die Gemeinden, sondern lassen sie vielmehr gestärkt daraus hervorgehen.
Gott hat uns in seinem großen Erbarmen neu geboren. Wie an vielen Stellen der Heiligen Schrift sehen wir auch hier das Grundcharakteristikum christlichen Glaubens: Jesus Christus ist Auferstanden, durch seinen Sieg über den Tod steht auch uns der Weg zum Leben, ewigen Leben, offen. Das ist unsere Hoffnung, aber keine unsichere Hoffnung, sondern eine Gewissheit, die uns Mut macht. Das Lob des Auferstandenen ist kein toter Buchstabe, sondern eine lebendige Wahrheit, die es gilt, uns immer wieder neu bewusst zu machen.
Jesus lebt. In ihm haben wir das Leben. Wir müssen zwar hindurch durch Drangsal und Bedrängnis, doch Gott behütet uns auf diesem Weg. Er gleicht dem Weg des Goldes durch den Schmelzofen. Das Gold wird dadurch nicht zerstört, sondern vielmehr reiner und wertvoller. So wie das Feuer des Schmelzofens für das Gold nicht zu heiß ist, so sind die Prüfungen dieser Zeit nicht zu schmerzhaft für die Gläubigen. Sie können sie mit Gottes Hilfe bestehen und gehen daraus gestärkt und glänzend hervor und finden am Ende das Tor zur Herrlichkeit Gottes weit geöffnet.

Gottes Macht behütet euch durch den Glauben, damit ihr das Heil erlangt, das am Ende der Zeit offenbart werden soll. Deshalb seid ihr voll Freude, obwohl ihr jetzt vielleicht kurze Zeit unter mancherlei Prüfungen leiden müsst. Dadurch soll sich euer Glaube bewähren, und es wird sich zeigen, dass er wertvoller ist als Gold, das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich ist. So wird eurem Glauben Lob, Herrlichkeit und Ehre zuteil bei der Offenbarung Jesu Christi. Ihn habt ihr nicht gesehen, und dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber ihr glaubt an ihn und jubelt in unsagbarer, von himmlischer Herrlichkeit verklärter Freude, da ihr das Ziel des Glaubens erreichen werdet: euer Heil. (1Petr 1,5-9)

Wir sehnen uns nach unserem Herrn Jesus Christus, der uns in seiner Barmherzigkeit das neue Leben geschenkt hat. Wir haben ihn nicht gesehen, aber wie lieben ihn, er ist uns nicht fern, wir stehen in einer Beziehung zu ihm. Auch wenn Jesus nicht mehr in irdischer Gestalt bei uns ist, auch wenn wir ihn nicht mehr in seinem Auferstehungsleib berühren können wie die ersten Zeugen seiner Auferstehung, er ist bei uns, er ist uns nahe. Er schenkt uns das Heil und hilft uns, dieses Heil jeden Tag zu bewahren.

Jesus Heil! Jesus Leben! Jesus Hoffnung!
Herr, du schenkst uns Heil und Leben,
du bietest uns deine Freundschaft an.
Durch deine Gegenwart
schenkst du uns Freude in Fülle
und gibst uns Hoffnung.
Du hast uns in deiner Barmherzigkeit
befreit von Schuld und Sünde.
Durch die Taufe hast du uns
in deine Gemeinschaft gerufen.
Wir sind bereit, deine Zeugen zu sein.
Wir lassen uns senden im Vertrauen
auf deine Liebe und Barmherzigkeit
Stärke uns mit deinem Heiligen Geist!
Lass uns wahrhaft Liebende sein,
die dein Licht in der Welt leuchten lassen
und so ein Segen sind für andere,
damit dein Heil auch heute erfahrbar ist.
Amen.
Nach diesem Heil haben die Propheten gesucht und geforscht und sie haben über die Gnade geweissagt, die für euch bestimmt ist. Sie haben nachgeforscht, auf welche Zeit und welche Umstände der in ihnen wirkende Geist Christi hindeute, der die Leiden Christi und die darauf folgende Herrlichkeit im Voraus bezeugte. Den Propheten wurde offenbart, dass sie damit nicht sich selbst, sondern euch dienten; und jetzt ist euch dies alles von denen verkündet worden, die euch in der Kraft des vom Himmel gesandten Heiligen Geistes das Evangelium gebracht haben. Das alles zu sehen ist sogar das Verlangen der Engel. (1Petr 1,10-12)

Die Hoffnung auf Heil, auf das die Menschheit gewartet hat, ist in Jesus Christus in Erfüllung gegangen. Sogar den Engeln war dieser Ratschluss Gottes zunächst verborgen. Dies zeigt, wie sehr er ein Geheimnis ist. Dieses ist nun offenbar geworden. Nun ist Gott den Menschen nicht mehr fern, die Gläubigen sind Kinder und Freunde Gottes und dürfen bei Gott wohnen.
Ewig bei Gott wohnen zu dürfen, Heimat haben bei Gott, das ist die Hoffnung die uns trägt und es ist das Ziel unserer Sehnsucht. Wirklich? Was bedeutet uns Heimat, Zuhause? Allzu oft machen wir leider in unseren Wohnungen die Erfahrung von Streit und Zwietracht, es wird uns dort ungemütlich. Viele Menschen dürfen gar nicht die Erfahrung machen, was es bedeutet ein Zuhause zu haben. Aber doch hat jeder Mensch eine Ahnung davon, wie ein schönes Zuhause aussehen könnte. Jeder Mensch sehnt sich nach einem Ort, an dem er Liebe und Geborgenheit erfahren darf. Wenn wir unsere idealste Vorstellung von Heimat noch einmal unendlich überbieten, dann haben wir annähernd das, was Heimat bei Gott bedeutet, einfach etwas unvorstellbar Schönes.
Der Gedanke an ein solches Zuhause bei Gott soll aber für uns mehr als eine Vertröstung auf eine bessere kommende Welt sein. Die Hoffnung, dass wir bei Gott Heimat haben, soll uns schon jetzt Kraft und Hilfe sein in unserem Alltag, wo wir nur selten ein ideales Zuhause erleben. Der Glaube an unsere Heimat bei Gott holt schon jetzt etwas von dieser idealen erhofften Heimat zu uns auf unsere Erde. Der Glaube soll uns helfen, wenn wir jetzt in Nöten sind, er soll uns helfen, dass auch wir anderen helfen können. Wenn wir an unsere Heimat bei Gott glauben, wird es auch uns leichter fallen, anderen ein Stück Heimat zu geben.
Der Ort, wo wir auf dieser Erde Heimat, Zuhause erfahren, sind in erster Linie unsere Familien. Aber auch die Kirche soll ein solcher Ort sein, an dem Heimat, Zuhause erfahrbar wird. Dabei soll zum einen die Kirche als Gebäude ein Ort sein, an dem wir uns wohl fühlen, aber auch die Gemeinschaft der Gläubigen soll uns diese Heimat geben. Von der Freude an der Kirche kündet der Psalm 84:

Wie liebenswert ist deine Wohnung, Herr der Heerscharen!
Auch der Sperling findet ein Haus, und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen.
Wohl denen, die wohnen in deinem Haus, die dich allezeit loben.

Mein Lieblingsvers ist der Vers 11. Da heißt es in der Vulgata: "Elegi abiectus esse in domo Dei mei." In der Einheitsübersetzung: "Lieber an der Schwelle stehen im Haus meines Gottes - als wohnen in den Zelten der Frevler." Aber der lateinische Text formuliert noch extremer, in etwa kann man es im Deutschen so wiedergeben: "Ich habe es mir ausgesucht, im Haus meines Gottes ganz hinten zu sein." Der letzte Platz im Haus Gottes ist besser als der erste Platz in einem Haus, in dem man Gott nicht kennt.

Deshalb umgürtet euch und macht euch bereit! Seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch bei der Offenbarung Jesu Christi geschenkt wird. Seid gehorsame Kinder und lasst euch nicht mehr von euren Begierden treiben wie früher, in der Zeit eurer Unwissenheit. Wie er, der euch berufen hat, heilig ist, so soll auch euer ganzes Leben heilig werden. Denn es heißt in der Schrift: Seid heilig, denn ich bin heilig. (1Petr 1,13-16)

Seid heilig, denn ich bin heilig! (Lev 19,2) Das ist eine Grundforderung des Mosaischen Gesetzes. Das Volk Gottes ist ein heiliges Volk, weil es nach Gottes Geboten lebt. Die Kirche ist das neue Gottesvolk, auch sie ist zur Heiligkeit berufen. Das ist die Berufung alles Gläubigen, nicht nur einiger weniger. Diese Heiligkeit bedeutet, aus der Gnade zu leben, die den Gläubigen in der Taufe geschenkt wurde. Durch die Taufe wird der Gläubige zu einem neuen Menschen. Der alte Mensch, der der Sünde verfallen war, stirbt mit Christus am Kreuz und durch das Wasser der Taufe hindurch wird der Gläubige mit Christus auferweckt zu neuem Leben. Dieses neue Leben zeigt sich darin, dass der Mensch sich nicht mehr von den Begierden bestimmen lässt, sondern dass er ganz dem Willen Gottes folgt.

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Heilige Schrift
Und wenn ihr den als Vater anruft, der jeden ohne Ansehen der Person nach seinem Tun beurteilt, dann führt auch, solange ihr in der Fremde seid, ein Leben in Gottesfurcht. Ihr wisst, dass ihr aus eurer sinnlosen, von den Vätern ererbten Lebensweise nicht um einen vergänglichen Preis losgekauft wurdet, nicht um Silber oder Gold, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel. Er war schon vor der Erschaffung der Welt dazu ausersehen und euretwegen ist er am Ende der Zeiten erschienen. Durch ihn seid ihr zum Glauben an Gott gekommen, der ihn von den Toten auferweckt und ihm die Herrlichkeit gegeben hat, sodass ihr an Gott glauben und auf ihn hoffen könnt. (1Petr 1,17-21)

Der Erste Petrusbrief möchte die Gläubigen dazu ermutigen, in der sie umgebenden Bedrängnis ein Leben aus der Freude der Auferstehung zu führen. Versuchen wir uns einmal, in diese Situation hineinzuversetzen. Es war für die Gläubigen damals ein großer Schritt, Christen zu werden. Was christliches Leben bedeutet, war damals dem Großteil der Bevölkerung ziemlich unbekannt. Zudem war der Zutritt zu den christlichen Gottesdiensten nur den Getauften gestattet. Wir können uns gut vorstellen, dass damals viele unschöne Gerüchte über die Christen im Umlauf waren.
Und dann schließt sich einer dieser verdächtigen Gemeinschaft an. Was hat die Menschen damals dazu bewogen, Christen zu werden? Christ werden, das bedeutete damals auch, Außenseiter zu sein, nicht mehr an den großen öffentlichen Festlichkeiten teilnehmen zu dürfen, ein weitgehend enthaltsames Leben zu führen. Wer möchte so etwas freiwillig tun?
Es war die Sehnsucht nach dem Heil, das viele dazu veranlasst hat, Christen zu werden. Sie haben erkannt, dass irdischer Reichtum nicht glücklich macht, dass die heidnischen Götter und auch die modernen Kulte letztlich kein Heil bringen können. Sie waren enttäuscht von dem ausschweifenden Leben der Großstädte, von der Oberflächlichkeit und Verschwendung, aber auch von der Gier und der Brutalität, die dort herrschten.
Die Christen waren anders. Sie bildeten eine wirkliche Gemeinschaft, in der soziale Unterschiede nicht zählten, in der man sich aufeinander verlassen konnte und die vor allem auch eines kannte: einen Gott, der die Menschen liebt, der die Menschen von Schuld befreit, der dafür aber keine Opfer verlangt, wie andere Götter, sondern der sich selbst geopfert hat für das Heil der Menschen. Einen Gott, der sich "Vater" nennen lässt, nicht ein Vater wie Zeus, der launisch und brutal ist, sondern ein liebender Vater, der für seine Kinder sorgt.
Und dieser Vater hat in seiner Liebe seinen Sohn auf die Erde gesandt, der sich geopfert hat für das Heil der Menschen, der sich geopfert hat, wie ein Lamm, nicht wie ein mächtiger Stier. Gottes Sohn kam friedlich wie ein Lamm auf die Welt, ein Lamm, das keinem etwas zuleide tut, ein Lamm, rein und ohne Makel, ein Lamm, das in seinem ganzen Sein die Liebe verkörpert, Liebe ohne Machtgelüste, ohne Falschheit, ohne Lüge. Die Heiligkeit und Liebe dieses Gottes hat die Menschen dazu veranlasst, sich denen anzuschließen, die an diesen Gott glauben und selbst ein neues Leben anzufangen, ein Leben, in dem sie selbst bereit sind, diese unverfälschte Liebe zu leben.

Der Wahrheit gehorsam, habt ihr euer Herz rein gemacht für eine aufrichtige Bruderliebe; darum hört nicht auf, einander von Herzen zu lieben. Ihr seid neu geboren worden, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen: aus Gottes Wort, das lebt und das bleibt. Denn alles Sterbliche ist wie Gras und all seine Schönheit ist wie die Blume im Gras. Das Gras verdorrt und die Blume verwelkt, doch das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit. Dieses Wort ist das Evangelium, das euch verkündet worden ist. (1Petr 1,22-25)

Die unverfälschte Liebe soll das Kennzeichen der Christen sein. Das hat Jesus Christus verkündet. Die Liebe ist die Botschaft Gottes an uns Menschen und diese Liebe ist unvergänglich. Alles Irdische vergeht, wie Gras, das verdorrt. Irdischer Reichtum vergeht, irdische Freuden sind begrenzt. Worauf also kann ich mein Leben bauen? Was ist der Sinn des Lebens? Ist das Leben nicht doch letztlich sinnlos? Soll ich dann nicht doch die irdischen Freuden genießen, solange ich kann? Soll ich irdischen Reichtum anhäufen, soviel wie mir möglich ist?
Oder gib es diesen Gott, der das unvergängliche Glück für mich bereithält, ein Glück, das ich nie erreichen kann, selbst wenn ich alle irdischen Freuden maximal auskoste? Gibt es etwas Unvergängliches, für das es sich lohnt, auf das Vergängliche zu verzichten, eine unvergängliche Freude, um derentwillen ich die vergänglichen Freuden gering achte, ein ewiges Heil, für das ich jetzt sogar Bedrängnisse auf mich nehme?
Die Erfahrung, diesem Gott begegnet zu sein, ihn nicht nur von den Erzählungen anderer zu kennen, sondern selbst die Erfahrung zu machen: ja, es gibt diesen Gott, der mich liebt, der mich erlöst hat, der mir das Heil schenkt und mich in seine Nähe ruft, das war die Kraft, die die Menschen damals veranlasst hat, Christen zu werden und im Namen Jesu Christi auch Leiden und Bedrängnisse auf sich zu nehmen. Diese Erfahrung ist auch heute möglich.

Mein Vater,
ich überlasse mich dir,
mach mit mir, was dir gefällt.
Was du auch mit mir tun magst, ich danke dir.
Zu allem bin ich bereit, alles nehme ich an.
Wenn nur dein Wille sich an mir erfüllt
und an allen deinen Geschöpfen,
so ersehne ich weiter nichts, mein Gott.
In deine Hände lege ich meine Seele.
Ich gebe sie dir, mein Gott,
mit der ganze Liebe meines Herzens,
weil ich dich liebe,
und weil diese Liebe mich treibt,
mich dir hinzugeben,
mich in deine Hände zu legen,
ohne Maß,
mit einem grenzenlosen Vertrauen;
denn du bist mein Vater.
(Charles de Foucauld)