Römerbrief 1,1-7

Einführung

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Römerbrief
Paulus, Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, auserwählt, das Evangelium Gottes zu verkündigen, das er durch seine Propheten im voraus verheißen hat in den heiligen Schriften: das Evangelium von seinem Sohn, der dem Fleisch nach geboren ist als Nachkomme Davids, der dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt ist als Sohn Gottes in Macht seit der Auferstehung von den Toten, das Evangelium von Jesus Christus, unserem Herrn. Durch ihn haben wir Gnade und Apostelamt empfangen, um in seinem Namen alle Heiden zum Gehorsam des Glaubens zu führen; zu ihnen gehört auch ihr, die ihr von Jesus Christus berufen seid. An alle in Rom, die von Gott geliebt sind, die berufenen Heiligen: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. (Röm 1,1-7)

Der Brief an die Römer gilt als der wichtigste Paulusbrief. Er ist der einzige Brief, den Paulus an eine Gemeinde richtet, der er noch nicht persönlich bekannt ist und deren Missionierung er nicht initiiert hat. Nachdem Paulus aus seiner Sicht im ganzen Osten des Römischen Reiches das Evangelium von Jesus Christus verkündet hat, wendet er sich nun dem Westteil zu. Seine Pläne bestehen darin, bis nach Spanien zu reisen. Auf dem Weg dorthin, möchte er in Rom Station machen.
Paulus hat in vielen bedeutenden Städten im Ostteil des Römischen Reiches gewirkt. Er hat Galatien durchwandert und kam so von der Küste bis weit in das Landesinnere. Er hat Gemeinden gegründet, die zu Keimzellen der Verbreitung des christlichen Glaubens geworden sind. Aber er hat auch viel Widerstand erfahren. Den Titel eines Apostels musste er immer wieder gegen Angriffe verteidigen, ist er doch der einzige Apostel, der Jesus nicht zu Lebzeiten gekannt hat, sondern erst später durch eine Vision berufen wurde.
Viele haben seine Lehre kritisiert. Da ging es vor allem um die Frage der jüdischen Beschneidung, und damit verbunden, in wie weit Christen das jüdische Gesetz einhalten mussten. Paulus entwickelte eine eigene Theologie, mit der er zeigen wollte, dass Gott durch Jesus Christus einen neuen Bund mit den Menschen geschlossen hat, der zwar den alten Bund mit Israel nicht aufhebt, aber auch nicht einfach eine Fortführung des alten ist.
Sicher hat man in Rom von Paulus gehört und seine Lehre kontrovers diskutiert. Paulus möchte Klarheit schaffen, bevor er persönlich erscheint. Er möchte, dass die Römer seine Lehre nicht nur vom Hörensagen und so vielleicht verfälscht kennenlernen, sondern dass sie aus seiner eigenen Feder, was er verkündet. So können unnütze Diskussionen, die auf Missverständnissen beruhen, vermieden werden, und Paulus kann sich auf das Wesentliche konzentrieren, wenn er kommt.
Paulus macht deutlich, dass er sich als Apostel aller Heiden sieht. Vielleicht ist es dieser Anspruch, der ihn rastlos auf seinen weiten Reisen umhertreibt. Er möchte sicher sein, dass die bekehrten Heiden nicht irgendwelchen Fabeleien und Irrlehren folgen, sondern wirklich feststehen in der gesunden Lehre des Glaubens an Jesus Christus.
Über die Anfänge der christlichen Gemeinde in Rom wissen wir nichts Sicheres. Erst spätere Legenden führen die Gründung auf Petrus zurück. Das wäre aber ein Umstand, den Paulus sicher erwähnt hätte. Das Christentum dürfte auf den üblichen Handelswegen in die Hauptstadt des Römischen Reiches gekommen sein und die große jüdische Diaspora als Ausgangsbasis genutzt haben, wobei es jedoch zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen ist. Wahrscheinlich war dies der Grund dafür, dass Kaiser Claudius zunächst im Jahr 41 ein Versammlungsverbot für die Juden Roms ausgesprochen hat und schließlich im Jahr 49 die Juden aus der Stadt ausgewiesen hat. Dies beschleunigte den Ablösungsprozess des jungen Christentums vom Judentum.
Den Brief an die Römer hat Paulus wahrscheinlich in Korinth im Jahr 56 n. Chr. verfasst. Der Brief besteht, abgesehen vom Briefrahmen, aus zwei großen Teilen. Im ersten Teil entfaltet Paulus seine Rechtfertigungstheologie (1,18-8,39) mit ihren Konsequenzen für die Frage nach Gottes Gerechtigkeit im Verhältnis zum erwählten Volk Israel (Kap. 9-11). Im zweiten Teil legt Paulus den Römern zunächst allgemeine Regeln des Gemeindelebens dar (Kap. 12-13) und wendet sich dann einem speziellen Problem in der römischen Gemeinde zu (14,1-15,13). Der Schlusshymnus Röm 16,25-27 ist vermutlich erst später hinzugefügt worden.