Kolosserbrief 1,21-2,23

Apostel und Gemeinde

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Auch ihr standet ihm einst fremd und feindlich gegenüber; denn euer Sinn trieb euch zu bösen Taten. Jetzt aber hat er euch durch den Tod seines sterblichen Leibes versöhnt, um euch heilig, untadelig und schuldlos vor sich treten zu lassen. Doch müsst ihr unerschütterlich und unbeugsam am Glauben festhalten und dürft euch nicht von der Hoffnung abbringen lassen, die euch das Evangelium schenkt. In der ganzen Schöpfung unter dem Himmel wurde das Evangelium verkündet; ihr habt es gehört, und ich, Paulus, diene ihm. (Kol 1,21-23)

Der vorangegangene Christushymnus hat mit der Sehnsucht Gottes geendet, alles in Christus zu vereinen. Es ist Aufgabe des Apostels, das Evangelium zu verkünden, um die Menschen von Feinden Gottes zu Freunden Gottes zu machen. Einst gehörten die Gläubigen auch zu den Feinden Gottes, waren im Bösen gefangen. Aber jetzt sind sie im Reich des geliebten Sohnes, haben Anteil an der Erlösung. Diesen Anteil gilt es zu bewahren und nicht leichtfertig wieder aufzugeben. Die Gläubigen dürfen sich nicht von der Hoffnung abbringen lassen, die das Evangelium in ihnen geweckt hat.

Der Apostel will sagen: Obschon ihr nicht wider Willen und gezwungen, sondern freiwillig und absichtlich von ihm abgefallen wart, so hat er euch dennoch, trotz eurer Unwürdigkeit, mit sich versöhnt. Und da er der Himmelsbewohner gedacht hat, so zeigt er, dass die ganze Feindschaft hier auf der Erde, nicht dort oben ihren Ursprung genommen hat. Denn jene waren, wie auch Gott, schon längst zum Frieden bereit, ihr aber wolltet euch nicht dazu verstehen. Überhaupt führt er den Nachweis, dass die Engel späterhin nichts hätten ausrichten können, wenn die Menschen in der Feindschaft verharrt wären: sie vermochten weder die Menschen für sich zu gewinnen, noch die Gewonnenen vom Teufel zu befreien. Denn so wenig es etwas genützt hätte, sie zur Sinnesänderung zu bestimmen, solange der nicht gebunden war, der sie in seiner Gewalt hatte, ebenso wenig hätte es etwas genützt, den Teufel zu binden, solange die von ihm Beherrschten die Rückkehr verweigerten. Es musste vielmehr beides geschehen; und davon haben die Engel nicht einmal das eine, Christus aber hat beides bewirkt. Dabei ist die Sinnesänderung wunderbarer als die Aufhebung des Todes. Denn letztere war ausschließlich sein Werk und stand allein in seiner Macht, erstere aber hing nicht bloß von ihm ab, sondern auch von uns. (Johannes Chrysostomus)

Beten wir, dass auch wir fest in der Hoffnung stehen, und dass Christus, der Ursprung unseres Lebens, auch dessen Mitte und Ziel ist. Ich habe hier einige Texte gesammelt, die uns helfen können, das Gesagte zu vertiefen:

Christus, göttlicher Herr,
Dich liebt, wer nur Kraft hat zu lieben:
unbewusst, wer Dich nicht kennt,
sehnsuchtsvoll, wer um Dich weiß.

Christus, Du bist meine Hoffnung,
mein Friede, mein Glück, all mein Leben:
Christus, Dir neigt sich mein Geist;
Christus, Dich bete ich an.

Christus, an Dir halt' ich fest
mit der ganzen Kraft meiner Seele:
Dich, Herr, liebe ich -
Suche Dich, folge Dir nach.
Amen.
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Kolosser
Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt. Ich diene der Kirche durch das Amt, das Gott mir übertragen hat, damit ich euch das Wort Gottes in seiner Fülle verkündige, jenes Geheimnis, das seit ewigen Zeiten und Generationen verborgen war. Jetzt wurde es seinen Heiligen offenbart; Gott wollte ihnen zeigen, wie reich und herrlich dieses Geheimnis unter den Völkern ist: Christus ist unter euch, er ist die Hoffnung auf Herrlichkeit.
Ihn verkündigen wir; wir ermahnen jeden Menschen und belehren jeden mit aller Weisheit, um dadurch alle in der Gemeinschaft mit Christus vollkommen zu machen. Dafür kämpfe ich unter vielen Mühen; denn seine Kraft wirkt mit großer Macht in mir. (Kol 1,24-29)

Paulus macht hier seine innige Verbindung mit Christus deutlich. Indem er sagt, dass er an den Leiden Christi ergänzt, was an ihnen noch fehlt, will er sich nicht selbst erhöhen, er will vielmehr zeigen, dass Christus immer noch leidet für das Wohl der Gläubigen. Er leidet in den Gläubigen und das Leiden der Gläubigen ist Christi Leid. So eng ist der Zusammenhang zwischen den Glaubenden und Christus. Paulus will sagen:

Ich glaube so fest an ihn, dass ich auch für ihn leide; und ich leide nicht nur, sondern ich freue mich sogar der Leiden, im Hinblick auf die zukünftige Hoffnung; und ich leide nicht zu meinem, sondern zu eurem Besten. ... Das geht aus der zärtlichsten Liebe zu Christus hervor. Paulus möchte nämlich seine Leiden auf Christus bezogen wissen, um seine Zuhörer für Christus zu gewinnen. Was ich leide, meint er, leide ich um seinetwillen; dankt daher nicht mir, sondern ihm, denn er leidet dies. ...
Christus ist nicht nur für uns gestorben, sondern auch nach dem Tod noch bereit, Trübsal für uns zu erdulden. Mit allem Eifer und Nachdruck bemüht sich der Apostel zu zeigen, dass Christus auch jetzt noch für die Kirche einsteht mit Leib und Leben. Seine Worte laufen darauf hinaus: Nicht durch uns werdet ihr zu Gott hingeführt, sondern durch ihn, obgleich wir dieses tun, denn was wir auf uns genommen haben, ist nicht unser eigenes Werk, sondern das seinige. ... Christi Leiden ist noch keineswegs als abgeschlossen. Er leidet auch nach dem Tod noch für euch, versichert Paulus, wenn es je noch an etwas fehlen sollte. (Johannes Chrysostomus)
Der auferstandene Jesus ist immer lebendig und in seiner Kirche gegenwärtig, vor allem in der Eucharistie, dem Sakrament seines Leibes und Blutes. Die Gegenwart Christi unter uns ist nicht nur ein Trost, sondern auch eine Verheißung und ein Aufruf. Es ist ein Aufruf, als Missionare hinauszugehen, um die Botschaft der Zärtlichkeit, Vergebung und Barmherzigkeit des Vaters zu jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind bringen. (Papst Franziskus)
O Urkraft aus Ewigkeit!
Geordnet hast Du in Deinem Herzen das All.
Alle Dinge der Welt,
so wie sie da sind, wie Du sie gewollt,
Du hast sie geschaffen
aus Deinem Wort.
Und dieses Dein Wort,
es ward Leib,
in jener Gestalt, wie sie erwuchs uns aus Adam.

Und also ward
auch unsere leibliche Hülle
befreit von gewaltigem Leid.

O wie groß ist unseres Heilandes Güte!
Er hat alles erlöst, da er Mensch ward,
als Er - ohne die Fessel der Schuld - ausging aus Gott.

Und also ward
auch unsere leibliche Hülle
befreit von gewaltigem Leid.

(Hildegard von Bingen)