Hebräerbrief 2,1-18

Mensch geworden

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Darum müssen wir umso aufmerksamer auf das achten, was wir gehört haben, damit wir nicht vom Weg abkommen. Denn wenn schon das durch Engel verkündete Wort rechtskräftig war und jede Übertretung und jeder Ungehorsam die gerechte Vergeltung fand, wie sollen dann wir entrinnen, wenn wir uns um ein so erhabenes Heil nicht kümmern, das zuerst durch den Herrn verkündet und uns von den Ohrenzeugen bestätigt wurde? Auch Gott selbst hat dies bezeugt durch Zeichen und Wunder, durch machtvolle Taten aller Art und Gaben des Heiligen Geistes, nach seinem Willen. (Hebr 2,1-4)

Im vorangegangenen Abschnitt wurde die Erhabenheit des Sohnes Gottes über die Engel dargelegt. Aus dieser Erhabenheit ergibt sich, dass der Verkündigung des Sohnes auch eine erhabene Bedeutung zukommt, auf die geachtet werden muss. Das Wort des Sohnes steht über allen vorangegangenen Offenbarungen Gottes.

Denn nicht Engeln hat er die zukünftige Welt unterworfen, von der wir reden, vielmehr (dem Sohn, darum) heißt es an einer Stelle ausdrücklich: Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, oder der Menschensohn, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn nur für kurze Zeit unter die Engel erniedrigt. Du hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, alles hast du ihm zu Füßen gelegt. Denn als er ihm alles zu Füßen legte, hat er nichts von der Unterwerfung ausgenommen. Jetzt sehen wir noch nicht alles ihm zu Füßen gelegt; aber den, der nur für kurze Zeit unter die Engel erniedrigt war, Jesus, ihn sehen wir um seines Todesleidens willen mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt; es war nämlich Gottes gnädiger Wille, dass er für alle den Tod erlitt. Denn es war angemessen, dass Gott, für den und durch den das All ist und der viele Söhne zur Herrlichkeit führen wollte, den Urheber ihres Heils durch Leiden vollendete. (Hebr 2,5-10)

Menschwerdung Gottes ist keine Schwäche Gottes, sondern zeigt seine Stärke. Gottes Sohn wurde für eine bestimmte Zeit geringer als die Engel, aber nur deshalb, um später umso erhabener in den Himmel einzugehen und den Sieg davonzutragen über alle Möchte, die sich gegen Gott stellen. Als Mensch hat er den Kampf gekämpft und göttlich triumphiert.
Dass aber Gottes Sohn als Mensch und nicht als Engel erschienen ist, zeigt die besondere Bedeutung, die dem Menschen von Gott her zukommt. Gott ist Mensch geworden, um die Menschen zu erlösen, um den Menschen einen Weg zu zeigen, wie sie zu Gott finden können. Um der Erlösung teilhaft zu werden, sollen die Menschen nicht wie Engel werden, sondern das Menschsein so leben, wie es Gottes Sohn gelebt hat.

Denn er, der heiligt, und sie, die geheiligt werden, stammen alle von Einem ab. (Hebr 2,12a)

Der Mensch ist Gott ähnlich, nach dem Abbild Gottes ist er geschaffen, wie es schon im Buch Genesis heißt. Darum KONNTE Gott Mensch werden, weil die Distanz zwischen Gott und Mensch nicht unüberwindbar ist, und darum WOLLTE Gott Mensch werden, weil er sein Bild im gefallenen Menschen wieder erneuern wollte.
Das Buch Genesis spricht von einer intimen Vertrautheit zwischen Gott und Mensch, bevor diese durch die Sünde zerstört wurde. Gott will dem Menschen diese Vertrautheit wieder ermöglichen, indem er selbst in seinem Sohn Mensch wird, um den Menschen zu erlösen.
Erlösung bedeutet die Überwindung der Distanz zwischen Gott und Mensch und die Ermöglichung einer tiefen Vertrautheit. Als Erlöste leben bedeutet, in Vertrautheit mit Gott zu leben und die Sünde zu meiden, die diese Vertrautheit stört. Je mehr wir lernen, in den Versuchungen standzuhalten, umso mehr kann diese Vertrautheit mit Gott wachsen.
Gott selbst hat uns in seinem Sohn diesen Weg gezeigt. Wir haben das Vorbild vieler Heiligen, die diesen Weg gegangen sind. Nur, wenn auch wir lernen, diesen Weg bewusst zu gehen, können wir zu Kindern Gottes werden.
Wir müssen der Versuchung widerstehen, das ist unser Beitrag, Gott selbst aber hat viel mehr getan, um diese Vertrautheit zu ermöglichen. Er ist in seinem Sohn Mensch geworden und hat sich am Kreuz für uns hingegeben. So hat er alles getan, was notwendig war, damit Erlösung möglich werden kann. Wir brauchen uns nur noch in seine Hände zu legen und so leben, wie er es uns gezeigt hat.
Wir hören diese Worte am Fest der Darstellung des Herrn. Lukas zeigt uns im Evangelium Simeon und Hanna, die beide sehnsüchtig das Heil erwartet haben, das nun Wirklichkeit geworden ist. Im göttlichen Kind sieht Simeon das Heil des Menschen. In diesem Kind wird sichtbar, wie Gott den Menschen gewollt hat. In diesem Kind strahlt die Heiligkeit, die Gott und Mensch verbindet.
Werden auch wir nie müde, auf Jesus Christus zu blicken, auf sein Leben und Wort, wie es uns die Heilige Schrift zeigt. Lassen wir uns verwandeln von diesem Blick und schreiten wir so von Heiligkeit zu Heiligkeit, dass Gottes Bild in uns immer mehr erneuert werde.