Hebräerbrief

Einführung

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Einführung

Die Tradition reiht den Brief an die Hebräer unter die Paulusbriefe ein, wobei die Verfasserschaft des Paulus schon sehr früh umstritten war. Es finden sich keinerlei Hinweise darauf im Brief. Eine den Paulusbriefen ähnliche Schlussformel weist eher auf einen allgemein gebräuchlichen Briefstil als aus eine Abhängigkeit von Paulus hin.
Klaus Berger, der die Entstehung des Briefes um 54/55 ansetzt, vermutet Alexandrien in Ägypten als Entstehungsort. Er sieht in der Vertreibung der Juden aus Rom unter Klaudius (vgl. auch Apg 18,2) den Zusammenhang zwischen Verfasser und Adressaten. Durch die Vertreibung wurde die aus Juden- und Heidenchristen bestehende römische Gemeinde getrennt. Während die Judenchristen Rom verlassen mussten, blieben die Heidenchristen dort.
Der Brief nun könnte das Werk eines Judenchristen an Heidenchristen sein, die eine gemeinsame Hochschätzung der jüdischen Tradition verbindet. Er zeigt, dass Jesus Christus zwar dieser Tradition entstammt, jedoch diese Tradition bei weitem überbietet und dadurch etwas Neues von Gott her schafft.
Wie üblich verweise ich in Bezug auf die in der Wissenschaft konträr diskutierten Einleitungsfragen auf die entsprechenden Kommentare, über die sich der interessierte Leser im Internet oder im Buchhandel informieren kann, da eine angemessene Diskussion den Rahmen dieser Seite übersteigen würde. Ich beschränke mich auf einige auslegende Gedanken zu einzelnen Abschnitten des Briefes.

Der Hebräerbrief beginnt nicht wie ein Brief. Es fehlen Anrede und Gruß. Er hebt vielmehr zu einer Art Prolog an, der mit dem Beginn des Buches Genesis und dem Johannesprolog vergleichbar ist. Hier geht es immer um Gottes schöpferisches Wort. Wie der Johannesprolog sieht auch der Hebräerbrief in Jesus Christus das zu den Menschen gekommene Wort Gottes. Ich versuche hier bewusst sehr allgemein zu formulieren, da das für den Johannesprolog charakteristische "und das Wort ist Fleisch geworden" sich so im Hebräerbrief nicht findet. Doch ist der Hebräerbrief voll von Deutungen, die das Verhältnis Gott - Sohn - Mensch zu erklären versuchen und die erhabene Stellung des Sohnes betonen.