2 Korinther 5,1-21

Hoffnung, Versöhnung

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2Kor 5
Wir wissen: Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, dann haben wir eine Wohnung von Gott, ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel. Im gegenwärtigen Zustand seufzen wir und sehnen uns danach, mit dem himmlischen Haus überkleidet zu werden. So bekleidet, werden wir nicht nackt erscheinen. Solange wir nämlich in diesem Zelt leben, seufzen wir unter schwerem Druck, weil wir nicht entkleidet, sondern überkleidet werden möchten, damit so das Sterbliche vom Leben verschlungen werde. Gott aber, der uns gerade dazu fähig gemacht hat, er hat uns auch als ersten Anteil den Geist gegeben. Wir sind also immer zuversichtlich, auch wenn wir wissen, dass wir fern vom Herrn in der Fremde leben, solange wir in diesem Leib zu Hause sind; denn als Glaubende gehen wir unseren Weg, nicht als Schauende. Weil wir aber zuversichtlich sind, ziehen wir es vor, aus dem Leib auszuwandern und daheim beim Herrn zu sein. Deswegen suchen wir unsere Ehre darin, ihm zu gefallen, ob wir daheim oder in der Fremde sind. Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder seinen Lohn empfängt für das Gute oder Böse, das er im irdischen Leben getan hat. (2Kor 5,1-10)

Glaubende, nicht Schauende.
Menschen neigen oft dazu, nach dem ihnen vor Augen liegenden zu greifen und nicht auf das zu schauen, was weiter entfernt liegt. „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“ So sagt ein altes Sprichwort. Festgefügte Meinungen hindern uns daran, einen neuen Standpunkt einzunehmen und Dinge mit anderen Augen zu sehen. Was nicht sein kann, kann einfach nicht sein weil eben alles so ist wie es ist.
Was die Welt braucht sind Menschen mit Visionen, die bereit sind, über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken und scheinbar unumstößliche Tatsachen zu hinterfragen. Es gibt unendlich mehr Möglichkeiten, als wir es uns mit unserem begrenzten Verstand vorstellen können. Wenn wir es nicht ausprobiert haben, wie ein abgebrochener Zweig neue Wurzeln schlagen kann oder wie aus einem winzigen Senfkorn ein großer Baum wachsen kann, erscheinen uns diese Dinge unmöglich.
Der Glaube will uns dazu ermuntern, darauf zu vertrauen, dass mehr möglich ist, als uns scheint. Wenn wir nur das für wahr halten, was wir sehen, wird unsere Sichtweise immer eingeschränkter. Was wir brauchen ist Fantasie, um Neues zu entdecken. Fantasie öffnet uns Wege, wo wir anfangs nur Mauern sehen. Nur mit neuen Ideen werden wir die Probleme lösen können, in denen die Menschheit gerade steckt. Wer immer so weiter macht wie gewohnt, wird auch immer wieder die gleichen Fehler machen. Wer etwas ändert, kann zwar trotzdem Fehler machen, aber es besteht die Möglichkeit, dass er neue Lösungen entdeckt.
Jesus weist in seinen Gleichnissen oft auf neue Sichtweisen hin. Er zeigt uns, dass Dinge plötzlich ganz anders sein können, als sie scheinen. Was erst noch Wasser war, ist plötzlich bester Wein. Ein paar Stücke Brot machen Hunderte satt. Wir können sagen, ja das waren Wunder, ok. Aber heute funktioniert das so nicht. Wir können aber auch daran glauben, dass Wunder auch heute geschehen können, dass Gott durch uns Wunder wirken kann, wenn wir bereit sind, daran zu glauben, dass dies möglich ist.
Petrus wollte wie Jesus auf dem Wasser gehen, aber es bekam Angst und ging unter. So hindert auch uns unser Kleinglaube daran, dass heute Wunder geschehen. Wir müssen lernen, mit neuen Augen auf die Welt zu blicken, um auch die versteckten kleinen Dinge zu sehen. Viele Details entgehen uns, weil wir nicht richtig hinschauen. Unser Denken trickst uns aus, weil es sofort versucht, alles was wir wahrnehmen, in vertraute Schemata zu packen. Seien wir bereit für ein neues Denken, seinen wir bereit für eine neue Erfahrung des Glaubens, damit neues Wachstum möglich wird.

Sage ja zu den Überraschungen, die deine Pläne durchkreuzen, deine Träume zunichtemachen, deinem Tag eine ganz andere Richtung geben ... ja vielleicht deinem Leben.
Sie sind nicht Zufall.
Lass dem himmlischen Vater die Freiheit, selber den Verlauf deiner Tage zu bestimmen. (Dom Helder Camara)
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Hl. Schrift
So versuchen wir, erfüllt von der Furcht des Herrn, Menschen zu gewinnen; vor Gott stehen wir offen da. Ich hoffe, dass wir auch vor eurem Gewissen offen dastehen. (2Kor 5,11)

Paulus schildert seinen Dienst als Apostel. Er will Menschen gewinnen, aber nicht für sich, sondern für Gott, nicht aus Eigennutz, sondern aus Sorge um das Heil aller. Das sollen die Korinther erkennen und Paulus von anderen Lehrern unterscheiden lernen, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind und nicht auf das Wohl aller. Allzu leicht lassen sich Menschen von großen Rednern verführen und sehen nicht oder erst zu spät wohin sie von diesen geführt werden. Paulus muss sich verteidigen, muss sich selbst groß machen, nicht um zu prahlen, sondern um die Korinther gegenüber den falschen Lehrern von seiner Uneigennützigkeit zu überzeugen und sie auf den rechten Weg zu führen.

Damit wollen wir uns euch nicht wieder empfehlen, sondern wir geben euch Gelegenheit, rühmend auf uns hinzuweisen, damit ihr denen entgegentreten könnt, die sich äußerlich, nicht im Herzen rühmen. Wenn wir nämlich von Sinnen waren, so geschah es für Gott; wenn wir besonnen sind, geschieht es für euch. Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir erkannt haben: Einer ist für alle gestorben, also sind alle gestorben. Er ist aber für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich leben, sondern für den, der für sie starb und auferweckt wurde. Also kennen wir von jetzt an niemanden mehr dem Fleische nach; auch wenn wir früher Christus dem Fleische nach gekannt haben, jetzt kennen wir ihn nicht mehr so. (2 Kor 5,12-16)

Caritas Christi urget nos - Die Liebe Christi drängt uns. Die Liebe ist es, die Paulus in all seinem Tun leitet. Er kann sei Herz offen zeigen und hat nichts zu verstecken. Er bringt das Evangelium von Jesus Christus, dem Retter der Welt, der sich selbst hingegeben hat zum Heil der Menschen, der für alle gestorben ist, damit alle in ihm das Leben haben.
Was ist es, das das Leben eines Christen in Schwung hält? Die Antwort darauf kann nicht anders lauten als: die Liebe Christi. Die Liebe Christi besteht darin, dass er uns zuerst geliebt hat, dass er uns kennt und liebt, noch bevor wir sind. Wir sind auf dieser Welt, weil Gott uns liebt. Aus Liebe ist Christus Mensch geworden und hat uns durch seinen Tod und seine Auferstehung erlöst.

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Hl. Schrift

Wir sagen das oft, ohne vielleicht immer die Bedeutung dessen zu ermessen, was wir da sagen. Es muss uns im tiefsten Inneren bewusst werden, dass die Welt durch die Menschwerdung Christi grundlegend verwandelt wurde. Wenn auch rein äußerlich die Welt trotzdem so geblieben ist, wie sie davor war, wenn es auch weiterhin Leid und Unrecht gibt, so haben wir doch nun die Gewissheit, dass es möglich ist, hier auf Erden zu Gott zu begegnen. Der Weg dahin ist die Taufe. In ihr stirbt der alte Mensch und wir werden zu neuen Menschen. Nicht durch irgendwelche Leistung unsererseits, sondern Gott schenkt es uns in seiner Liebe. Durch den Heiligen Geist wird die Erlösungstat, die Christus damals vollzogen hat, an jedem einzelnen wirksam.

Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat. (2Kor 5,17-18)

Christus hat uns mit Gott versöhnt und wir sind dazu berufen, davon Zeugnis zu geben. Doch was unterscheidet die Kinder Gottes von den Kindern dieser Welt? Äußerlich zunächst einmal nichts. Sie versuchen genauso viel oder wenig als gute Menschen zu leben und es gelingt ihnen genauso gut oder schlecht wie anderen Menschen. Das Leben wird durch die Taufe nicht leichter, eher noch schwerer, denn dieses neue Leben bedeutet auch, dass wir aufhören, nach unserem eigenen Willen zu leben und unser Leben nach dem Willen Gottes ausrichten. Gerade das fällt den Menschen zu allen Zeiten schwer.
Als neue Menschen haben wir eine besondere Verantwortung vor Gott und den Mitmenschen. Wir können dieses neue Leben nur leben im ständigen Hinschauen auf Gott, im Vertrauen auf seine Führung und seine Hilfe. Wir können es nur leben in der Gewissheit, dass wir als neue Menschen in das Leben Gottes selbst hineingenommen sind. Verlieren wir nie diesen Blick zu Gott, der uns allezeit nach dem fragen lässt, was er von uns möchte. Lassen wir uns drängen von der Liebe Christi, die uns stets näher zu Gott ziehen möchte. Nur so kann unser Leben, trotz aller Schwierigkeiten und Leiden, doch ein im tiefsten Inneren glückliches Leben werden.

Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er ihnen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und unter uns das Wort von der Versöhnung aufgerichtet hat. Wir sind also Gesandte an Christi statt und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen! Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden. (2 Kor 5,19-21)