1 Korinther 16,1-24

Briefschluss

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Seid wachsam, steht fest im Glauben, seid mutig, seid stark! (1Kor 16,13)

Am Ende des Briefes fasst Paulus noch einmal das, worauf es ihm ankommt, in prägnanten Sätzen zusammen. Die Standhaftigkeit im Glauben hat er gleich zu Beginn des Briefes angesprochen. Es ist wichtig, dass der Glaube sich bewährt und wächst.

Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe. (1Kor 16,14)

Auch die Liebe war ein zentrales Thema des Briefes, vor allem im Hohenlied der Liebe. Hier weist Paulus erneut auf deren Bedeutung hin. Alles soll in Liebe geschehen.

Ich habe noch eine Bitte, Brüder. Ihr kennt das Haus des Stephanas: Sie sind die erste Frucht Achaias und haben sich in den Dienst der Heiligen gestellt. Ordnet euch ihnen unter, ebenso ihren Helfern und Mitarbeitern!
Es freut mich, dass Stephanas, Fortunatus und Achaikus zu mir gekommen sind; sie sind mir ein Ersatz für euch, da ihr nicht hier sein könnt. Sie haben mich und euch erfreut und aufgerichtet. Verweigert solchen Männern eure Anerkennung nicht! (1Kor 16,15-18)

Paulus legt Fürsprache ein für Stephanas und dessen Haus, die wohl eine führende Position in der Gemeinde hatten, aber nicht unumstritten waren. Paulus betont die Rechtmäßigkeit deren Führungsrolle und zugleich auch anderer Gemeindemitglieder, die bei Paulus waren, um ihn in Bezug auf die im Brief genannten Missstände um Rat und Hilfe zu bitten.

Es grüßen euch die Gemeinden in der Provinz Asien. Aquila und Priska und ihre Hausgemeinde senden euch viele Grüße im Herrn. Es grüßen euch alle Brüder. Grüßt einander mit dem heiligen Kuss! (1Kor 16,19-20)

Wie bei vielen seiner Briefe üblich übermittelt Paulus am Ende Grüße von anderen Gemeinden und bekannten Personen. Das weist darauf hin, dass bereits in frühester Zeit ein Netzwerk bestand, durch das die einzelnen Gemeinden verbunden waren. Man berichtete sich gegenseitig über den Zustand der Gemeinde und die Wirksamkeit des Glaubens. Das Ehepaar Priska (auch Priszilla) und Aquila hat Paulus in Korinth kennengelernt und sie sind ihm zu treuen Mitarbeitern geworden.

Den Gruß schreibe ich, Paulus, eigenhändig. (1Kor 16,21)

Der eigenhändig geschriebene Gruß des Paulus soll wohl ein Echtheitsmerkmal des Briefes sein und zeigt zugleich die enge persönliche Beziehung des Paulus zu den Korinthern. Ich kann mir vorstellen, dass die drei nun folgenden letzten Verse des Briefes zu dem gehören, was Paulus eigenhändig zu dem hinzugefügt hat, was der Briefschreiber aufgeschrieben hat. Darin kommt noch einmal prägnant zum Ausdruck, was Paulus in Bezug auf die Korinther wichtig ist.

Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht! (1Kor 16,22a)

Zunächst spricht Paulus noch einmal eine sehr intensive Mahnung aus. Er hat im Brief Missstände in der Gemeinde aufgezeigt und die dringliche Notwendigkeit, diese zu beheben. Wer aber trotz dieser Mahnungen keine Einsicht zeigt, der soll aus der Gemeinde ausgeschlossen werden. Bereits in den ersten Gemeinden ist es also zu Konflikten gekommen, die das Gemeindeleben ernsthaft bedroht haben. In Mt 18,15-18 begegnen wir einem ähnlichen Problem. Auf ein Jesuswort basierend sollen renitente Gemeindemitglieder zunächst unter vier Augen ermahnt werden, wenn das nicht hilft noch einmal vor Zeugen, und dann schließlich vor der ganzen Gemeinde. Wer dann immer noch keine Einsicht zeigt, soll nicht mehr als Gemeindemitglied behandelt werden.

Durch dieses einzige Wort schreckt er alle, die ihre Glieder zu Hurengliedern machten, die durch Beteiligung an den Götzenopfern ihren Brüdern Ärgernis gaben, die sich nach dem Namen gewisser Menschen nannten, die an die Auferstehung nicht glaubten. Allein er schreckt sie nicht nur, sondern zeigt ihnen auch den Weg zur Tugend und die Quelle des Bösen. Denn so wie eine heftige Liebe jede Art von Sünden auslöscht und verdrängt, so lässt eine schwächere Liebe dieselben aufkeimen. (Johannes Chrysostomus)
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1Kor16
Marana tha - Unser Herr, komm! (1Kor 16,22b)

Der Ruf "Marana tha" stammt aus dem Aramäischen und hat sich ebenso wie das aramäische "Amen" in seiner Grundform von Jerusalem ausgehend in der ganzen Welt verbreitet, ohne in die jeweilige Landessprache übersetzt zu werden. Es handelt sich dabei sowohl um einen sehnsüchtigen Ruf nach dem Kommen des Herrn (Unser Herr, komm!), hat aber auch affirmativen Charakter und bestätigt, dass der Herr kommt (Unser Herr kommt!). Wir begegnen diesem Ruf auch am Ende der Offenbarung des Johannes und spätere Quellen zeigen, dass er in der Liturgie verwendet wurde, wohl um die Gegenwart des Herrn in der Eucharistie anzuzeigen.
Unser Herr, komm! Unser Herr kommt! Unser Herr ist gekommen! Der Ruf birgt in sich die ganze Bandbreite der Gegenwart des Herrn. Jesus ist gekommen als Mensch und hat den Menschen die Liebe Gottes offenbart und in dieser Liebe ist er für das Heil der Menschen in den Tod gegangen. Mit seiner Auferstehung hat er den Weg zum Himmel geöffnet. Dorthin wird er die Seinen zu sich holen, wenn er wiederkommt. Doch Jesus ist auch bleibend gegenwärtig in seiner Kirche, in ganz besonderer Weise in der Eucharistie.
Die Erwartung des Kommens des Herrn und das Bewusstsein seiner bleibenden Gegenwart sind ein zentrale Aspekte christlichen Lebens. Darauf hat Paulus schon zu Beginn des Briefes hingewiesen. Ständig ereignet sich das Kommen des Herrn, ständig müssen wir dafür bereit sein und bei seinem Kommen in Herrlichkeit wird sich alles vollenden. Angesichts dieses Kommens des Herrn verliert alles menschliche Gerangel um Vorrang und Macht an Bedeutung. Wer auf den Herrn schaut, der lernt, in demütiger Liebe als Gottes Kind zu leben.

Was heißt aber: "Marana tha"? Unser Herr kommt. Aus welchem Grund sagt er nun das? Um die Lehre von der Menschwerdung zu bestätigen, worauf er die Lehre von der Auferstehung gegründet hat. Allein nicht bloß darum, sondern auch, um sie zu beschämen, so als wollte er sagen: Unser aller Herr hat sich gewürdigt, so tief herabzusteigen, und ihr bleibt immer dieselben und fahrt fort, zu sündigen! Erstaunt ihr nicht ob diesem Übermaß von Liebe? Bedenkt doch nur dies, will er, sagen, und ihr werdet in aller Tugend voranschreiten und alle Sünden austilgen können. (Johannes Chrysostomus)
Die Gnade Jesu, des Herrn, sei mit euch! (1Kor 16,23)

Der Brief schließt mit dem Wunsch, dass die Gnade Jesu, des Herrn, immer mit der Gemeinde sei und mit einem Zeugnis der Liebe, die Paulus zu den Korinthern hat.

Meine Liebe ist mit euch allen in Christus Jesus. (1Kor 16,24)