1 Korinther 15,1-11

Grundlage des Glaubens

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Evangelium
Ich erinnere euch, Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe. Oder habt ihr den Glauben vielleicht unüberlegt angenommen? (1Kor 15,1-2)

Paulus erinnert die Korinther an das Evangelium, das er ihnen verkündet hat. Evangelium, das ist die Frohe Botschaft, aber auch die Richtschnur des Glaubens. Evangelium, das ist etwas, das eine feste Gestalt hat, auch wenn es immer neu hinein gesprochen wird in die Welt. Das Evangelium kann man sich nicht aussuchen, sondern es ist von Gott gegeben.
Das Evangelium ist das Fundament, auf den der Glaube aufbaut. Christlicher Glaube ist mehr als eine Lebensphilosophie. Es gibt ja heute eine Fülle an Ratgebern, wie man zu sich selbst findet und gesund, erfolgreich und glücklich leben kann. Man kann sich hier auf dem Markt das aussuchen, was am besten zu einem passt, was am hilfreichsten ist.
Das Evangelium kann man zunächst einmal nur annehmen oder ablehnen. Wenn man es aber annimmt, dann kann man es selbst mit Leben füllen. Dazu muss man aber genau wissen, was die Botschaft des Evangeliums ist. Hier kann sich nicht jeder sein eigenes Evangelium zusammenbasteln, sondern der einzelne tritt ein in eine lange Tradition.
Paulus formuliert hier ein erstes Glaubensbekenntnis. Dieses hat er nicht aus sich, sondern er hat es selbst bei seiner Bekehrung zu Jesus Christus empfangen. Wahrscheinlich geht dieses Glaubensbekenntnis auf die Urgemeinde in Jerusalem und die Apostel selbst zurück. Diese Worte bilden den Kern unseres Glaubensbekenntnisses bis heute.
Im Laufe der Zeit wurde dieses kurze Glaubensbekenntnis ergänzt. Grund dafür waren meistens Fehlinterpretationen des Glaubens. Es hat immer wieder große Streitigkeiten in der Kirche gegeben, was genau das Fundament des Glaubens ist. Wenn einer davon abgewichen ist, hat die Kirche versucht zu korrigieren. Oft ist es zu Spaltungen gekommen. Wir sehen ja heute, dass es nicht nur eine christliche Kirche gibt, sondern mehrere Konfessionen und auch christliche Sekten.
Die Kernbotschaft des Christentums ist, dass Jesus Christus für unsere Sünden gestorben ist. Er hat uns erlöst, uns befreit von der Macht der Sünde und des Todes. Er hat selbst den Tod auf sich genommen, ist begraben worden, dann aber auferstanden.
Dass es einen charismatischen Führer gibt, der die Menschen begeistert, der dann aber irgendwann einmal stirbt, ist nichts Besonderes. Das Einzigartige an Jesus Christus ist seine Auferstehung. Nur diese ist auch die Grundlage dafür, dass er uns erlösen konnte. Weil er sich selbst aus der Macht des Todes befreit hat, kann er auch uns davon befreien und mit hinein nehmen in das neue Leben der Auferstehung.
Nun könnte diese Auferstehung ja etwas sein, das sich die Jünger Jesu ausgedacht haben. Dann wäre der Glaube eine Täuschung, kein wirkliches Fundament und dann würde die Kirche einstürzen wie ein Kartenhaus und jeder, der sich auf den christlichen Glauben verlassen hat, würde enttäuscht werden. Es braucht Zeugen der Auferstehung, um deutlich zu machen, dass sich das Christentum nicht auf Täuschung sondern auf Tatsachen aufbaut.
Paulus führt die Zeugen der Auferstehung an. Zunächst einmal steht die Auferstehung in der großen Tradition der Schriften des Alten Testamentes. Schon dort wird bezeugt, dass der Messias von Gott auferweckt wird. Es würde zu weit führen, hier die einzelnen Textstellen anzuführen, die dies belegen. Wichtig ist die Tatsache, dass die Auferstehung Jesu Christi schon lange prophezeit worden ist.
Wichtigster und erster Zeuge der Auferstehung ist Petrus, Kephas, der Fels, auf den Jesus Christus seine Kirche baut, dann der Kreis der Zwölf. Ihnen ist Jesus als der Auferstandene erschienen. Wir fragen uns, wo hier die Frauen sind. Diese waren doch die ersten Zeugen der Auferstehung. In der Zeit, als Paulus seinen Brief geschrieben hat, galt aber vor Gericht nur das Zeugnis von Männern. Paulus will den Beweis für die Auferstehung hieb und stichfest erbringen, unangreifbar. Daher nennt er nur männliche Zeugen.
Doch allein die Zwölf wären aber zu wenig als Zeugen. Jesus Christus ist auch noch mehr als fünfhundert Männern erschienen. Zudem sind viele von diesen noch am Leben, könnten also befragt werden. Ein solches Zeugnis wäre vor jedem Gericht als wahrheitsgemäß angenommen worden. Die Auferstehung Jesu Christi ist somit eine historische Tatsache, die eindeutig belegt ist und die Grundlage für den Glauben jedes einzelnen bilden kann.
Dann erschien Jesus dem Jakobus, der eine wichtige Funktion in der Urgemeinde von Jerusalem innehatte und allen Aposteln. Paulus zählt also mehr als nur die Zwölf zu den Aposteln, womit er auch rechtfertigen kann, sich selbst Apostel zu nennen. Auch er hat den Auferstandenen gesehen, damals vor Damaskus. Das Licht seiner Herrlichkeit hat ihn geblendet und umgeworfen.
Paulus begegnet hier Vorwürfen, die andere gegen ihn erhoben haben. Wahrscheinlich wurde sein Apostelamt angezweifelt. Er sei kein wirklicher Apostel, sondern eine „Missgeburt“, ein Nachzügler, der sich etwas anmaßt, das ihm nicht zukommt. Doch Paulus sieht sich von Gott legitimiert, der ihn mit seiner Gnade von einem Verfolger der Kirche zu einem ihrer wichtigsten Verkünder und Apostel gemacht hat.
Die Worte des Apostels Paulus machen und Mut. Wir können uns auf sein Zeugnis verlassen, wir können auf den Glauben an Jesus Christus bauen. Wenn wir auf ihn vertrauen, werden wir nicht enttäuscht. Jesus Christus lebt. Er ist auch heute mitten unter uns und geht mit uns. Wir sind gerufen als seine Zeugen in der Welt.

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1Kor15
Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe:
Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift. (1Kor 15,3-4)

Christus ist für unsere Sünden gestorben. Ein grünes Kreuz - Symbol der Hoffnung. Das Zeichen des Schreckens hat seinen Schrecken verloren. Das Werkzeug des Todes hat dem Tod seine Macht geraubt.
Durch das Kreuz hindurch führt der Weg zum Leben. Durch Christi Tod und Auferstehung wurde das Kreuz zum Zeichen des Lebens.
Wir verehren das Kreuz nicht wegen seines Schreckens, sondern wegen des Heils, das durch die Überwindung seines Schreckens in die Welt gekommen ist.
Seither gibt es kein Kreuz mehr, dessen Schrecken nicht überwunden werden könnte. Das ist die Hoffnung, die das Kreuz in der Hoffnungsfarbe Grün symbolisiert.
Wenn auch unser Leben immer wieder bedroht ist durch den Schrecken des Todes, durch die Angst vor dem Versagen oder die Bedrohung von Krankheiten und Unfällen, wenn uns auch all diese Schrecken treffen können, so haben sie doch keine Macht über unser Leben. Sie können vieles in unserem Leben verändern, aber vernichten können sie es nicht, denn er, der das Leben ist, er ist mit uns und bleibt bei uns.
Für uns - für unsere Sünden - für alles, was uns von Gott und voneinander trennt ist er in den Tod gegangen. Nun kann uns nichts mehr trennen von der lebensspendenden Macht Gottes.
Denken wir Tag und Nacht an diese Liebe, die Gott uns erweist. Für uns. Aus Liebe, unendlicher unvergänglicher Liebe.

Und ist begraben worden. (1Kor 15,5a)

Es mag mehrere Gründe dafür geben, warum ganz ausdrücklich erwähnt wird, dass Christus begraben wurde. Begraben werden nur Menschen, die wirklich tot sind. Das Grab ist die Endstation irdischen Lebens. Im Grab zerfällt der irdische Leib des Menschen. Was danach kommt, wissen wir nicht.
Christus war wirklich tot. Er ist nicht in letzter Sekunde vom Kreuz gestiegen. Die Menschen, die ihn ins Grab gelegt haben, waren sich sicher, dass sein Leben zu Ende war. Nur wer um das Grab Christi weiß, kann über das Wunder der Auferstehung staunen.

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Heilige Schrift

Am dritten Tag ist das Grab leer. Jesus war sicher dort hinein gelegt worden, das bezeugt die Schrift, Wachen garantierten dafür, dass niemand seinen Leib aus dem Grab stehlen konnte. Und doch ist das Grab leer. Mehr noch, der im Grab lag, erscheint als Lebender.
Nur Gottes Macht kann solche Wunder wirken. Gott wird die Enge des Grabes, die in dem Bild von Hans Holbein spürbar zum Ausdruck kommt, sprengen.
Gott lässt sich nicht einsperren in die Enge irdischer Kammern, er lässt sich nicht gefangen nehmen vom Tod, er lässt sich nicht einsperren in die Enge unseres Denkens. Gott wird immer wieder hervorbrechen in seiner Macht und Stärke, wie am Ostermorgen. Dort, wo Menschen den Tod Gottes verkünden, werden bald andere der Welt zeigen, dass er lebt.

Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift. (1Kor 15,4b)

"Die Wahrheit des Todes Christi und seines Begräbnisses, seine Erscheinungen und das leere Grab: in all dem finden wir die Bestätigung seiner Auferstehung. Als fleischgewordener Sohn Gottes ist Jesus wahrhaft am Kreuz gestorben, um alle Menschen von ihren Sünden zu erlösen. Durch sein Blut hat er Gott mit jedem Menschen versöhnt, damit wir die Versöhnung mit Gott und untereinander leben können.
"Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier" (Mk 16,6). Dieses Zeugnis legt der Engel vor den Frauen ab. Aber die Auferstehung ist ursprünglich das Zeugnis Gottes gegenüber Jesus Christus, ein Zeugnis, das der Apostel Petrus mit folgenden Worten bekräftigt: "Er wurde ans Kreuz geschlagen und getötet, Gott aber hat ihn am dritten Tage auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen" (Apg 2,32; 10,38-40). Die Auferstehung Christi ist das Zeugnis für unsere geistliche Auferstehung - durch die Buße - und für unsere leibliche Auferstehung - durch die Auferstehung des Fleisches. Sie ist das Zeugnis für die Wahrheit Christi und die Echtheit seiner Person und seines Sendungsauftrages.
Durch die Auferstehung ist Christus unser Friede geworden, sie ist die Grundlage unserer Gotteskindschaft und der Brüderlichkeit unter den Menschen. Durch Christus sind alle Menschen zu Brüdern und Schwestern geworden und durch ihn, den Sohn des ewigen Gottes, sind alle Gläubigen zu Kindern Gottes geworden. Wir glauben an diese neue Identität, wir verkünden sie und setzen uns für ihre Verwirklichung ein.
Jedes Mal, wenn Christus seinen Jüngern in diesen vierzig Tagen erschien, grüßte er sie mit den Worten: "Friede sei mit euch!" (Joh 20,19 und 26). Mit diesem Gruß schenkte er ihnen Sicherheit und inneren Frieden, er nahm die Angst aus ihren Herzen fort, er wirkte Zeichen und bestärkte sie in ihrer Sendung. Der Friede Christi ist die Kultur, die wir verkünden, die Entscheidung, zu der wir treu stehen, denn die Gotteskindschaft setzt sich in Taten des Friedens um, gemäß den Worten Jesu: "Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden" (Mt 5, 9).
Die Auferstehung Christi von den Toten ist Unterpfand der Auferstehung der Herzen von der Sünde und vom Bösen. Christus ist lebendig: er ist gegenwärtig in der Kirche und wirkt bis zum Ende der Zeiten in der Welt. Er ist gegenwärtig und wirkt durch sein lebendiges Wort, seinen Leib und sein Blut im Sakrament der Eucharistie, durch die Gnade der Sakramente, durch seinen lebendigen und heiligen Geist, der unter den Gläubigen die Früchte der Erlösung und des Heils hervorbringt.
Der von den Toten auferstandene Christus ist jedem Menschen nahe, er ist Zeitgenosse jedes Menschen. Er ist der Herr, "der ist und der war und der kommen wird" (Offb 1,4); er ist derjenige, den die Kirche und alle Gläubigen Tag für Tag mit den Worten anrufen: "Komm, Herr Jesus!" (Offb 22,20). Dir sei Lob und Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen."
Auszug aus einer Predigt von Kardinal Bechara Boutros Rai

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1Kor15
Und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.
Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als Letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der "Missgeburt". Denn ich bin der geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe. Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben. Mehr als sie alle habe ich mich abgemüht - nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir. Ob nun ich verkündige oder die anderen: das ist unsere Botschaft, und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt. (1Kor 15,5-11)

Die Wahrheit der Auferstehung ist nicht zuletzt dadurch bezeugt, dass Jesus als der Auferstandene so vielen Menschen erschienen ist. Paulus zählt diese Erscheinungen auf. Als erste Zeugen der Auferstehung nennt er Kephas-Petrus und die Zwölf. Dann ist von einer großen Erscheinung vor mehr als fünfhundert Gläubigen die Rede, von der wir nur hier erfahren. Einige sind noch am Leben. Bereits zwei Zeugen reichen aus, um eine Sache vor Gericht zu beglaubigen. Hier stehen nun weit mehr Zeugen zur Verfügung. Die Frauen nennt Paulus nicht, da ihr Zeugnis keine öffentliche Bedeutung hat. Paulus geht es nicht darum, über die einzelnen Erscheinungen zu berichten, sondern vor allem darum, deren Echtheit durch die Nennung glaubwürdiger Zeugen zu beweisen.
Neben den Zwölf gibt es noch andere Apostel. Jakobus, der Herrenbruder, der die Jerusalemer Gemeinde geleitet hat, gehört zu ihnen. An anderer Stelle wird Barnabas als Apostel bezeichnet. Paulus spricht hier nur kurz von allen Aposteln, ohne diese im Einzelnen zu nennen. Er macht dadurch aber deutlich, dass mit dem Titel Apostel untrennbar auch die Erfahrung einer Begegnung mit dem Auferstandenen verbunden ist.
Auch Paulus hatte eine solche Begegnung mit dem Auferstandenen. Er ist der letztberufene Apostel. Er hat die Kirche Jesu Christi verfolgt. Aber Gott hat sich ihm zugewandt. Nicht aus eigenem Streben oder eigener Vollkommenheit ist er zum Apostel geworden, sondern Gott hat ihn in seiner übergroßen Gnade dazu gemacht. Genau wir die anderen Apostel ist er in sein Amt von Gott berufen und eingesetzt und der Auferstandene hat ihn in einer Offenbarung in seiner Lehre unterwiesen. Daher ist das Zeugnis des Paulus genau so gewichtig wie das der anderen Apostel.