Weisheitsschriften

Buch Ijob-Überblick

Ijob

Ist Gott gerecht? - Eine kleine Betrachtung zu ausgewählten Kapiteln aus dem Buch Ijob.

Jeder von Ihnen hat sicher schon von Ijob aus dem Alten Testament gehört. Bekannt sind Ihnen auf jeden Fall die Hiobsbotschaften. Ijob, ein wohlhabender und angesehener Mann, lebt gerecht und gerade vor Gott, doch plötzlich wird ihm alles genommen. Ein Bote nach dem anderen bringt ihm eine neue Schreckensnachricht, sein ganzer Besitz, ja selbst seine Kinder gehen ihm verloren. Schließlich verliert er auch noch seine Gesundheit und sitzt, übersät von eiternden Wunden, auf dem Abfallhaufen. Was für ein Abstieg. Die Rahmenerzählung schiebt die Ursache für dieses Unheil auf den Satan. Dieser ärgert sich über den gerechten Ijob und wettet gleichsam mit Gott, daß Ijob nur deshalb so gottesfürchtig ist, weil Gott ihm so viel Gutes geschenkt hat. Wenn es Ijob schlecht ginge, würde er Gott ins Angesicht fluchen. Und Gott erlaubt den Satan, Ijob zu prüfen.
Und was macht Ijob? Er flucht Gott nicht ins Angesicht, aber er hadert mit ihm. Er kann nicht begreifen, daß die Ordnung, die für den Gerechten Glück und für den Frevler Unheil vorsieht, so auf den Kopf gestellt wird. Es kommen Freunde um ihn zu trösten in seinem Elend. Doch sie erweisen sich als untauglich. Sie wiederholen nur immer wieder diese alte Regel, daß es dem Gerechten gut, dem Bösen aber schlecht geht. Irgendein Unrecht muß Ijob also begangen haben, sonst würde es ihm nicht so schlecht ergehen. Doch Ijob ist überzeugt, immer nach Gottes Willen gehandelt zu haben. Er will wissen, warum ihm solches Unheil widerfährt. Er wendet sich nicht von Gott ab, aber er will mit ihm rechten, er will wissen, warum Gott ihm solches widerfahren läßt. Ist Gott am Ende ein unberechenbarer Frevler?
Viele werden erstaunt sein, eine solche Aussage in der Hl. Schrift zu finden. Ijob geht wirklich bis ans Äußerste, an einen Punkt, an den sich manch ein frommer Beter nie wagen würde. Aber blicken wir auf uns. Freilich, für ganz gerecht wird sich keiner halten. Jeder weiß um seine kleinen Schwächen und Fehler. Aber im großen und ganzen bemühen wir uns doch, als christliche Menschen zu leben, gehen in den Gottesdienst, beten, versuchen anderen gegenüber gut zu sein ... Und doch ereilt auch so manchen Frommen ein bitteres Unglück und Leid. Es ist schwer, darauf eine Antwort zu geben und man kann sicher nicht Gott für alles verantwortlich machen. Aber wenn er doch alles kann, könnte er dann nicht ...
Wir haben durch Christus die Hoffnung auf die Auferstehung und können zumindest noch sagen, daß selbst, wenn wir hier auf Erden so manches Leid tragen müssen, wenigstens im Himmel dann die ewige Freude für die Gerechten bereitet ist. Zur Zeit des Ijob war dieser Glaube an die Auferstehung noch nicht verbreitet. Lohn und Strafen mußten sich auf dieser Welt ereignen, falls sie angebracht waren. Das macht die Sache komplizierter. Doch sei schon vorweg gesagt (auch weil ich hier nicht das ganze Buch Ijob vorstellen kann, sondern nur einige Auszüge daraus), daß Gott am Ende Ijob als Gerechten anerkennt, trotz allem, was er in seinen Reden Gott vorhält, seine Freunde aber, die leidigen Tröster, werden getadelt. Ijob bekommt am Ende alles, was er vorher verloren hat, doppelt zurück, eine Geschichte mit happy end. Vielleicht hilft es, sich dies im Hinterkopf zu behalten, wenn wir nun auf Ijob in seiner Not blicken, wie er da mit eiternden Wunden sitzt, seine Freunde ihm gegenüber, die ihn nicht verstehen. Ich möchte seine ersten drei Reden vorstellen. Zwischen den Reden Ijobs spricht jeweils einer seiner Freunde, darauf möchte ich nicht näher eingehen. Wer möchte, kann gerne den Text des Buches Ijob im Alten Testament nachlesen.

Die erste Rede Ijobs (3,1-26)

Ijob verwünscht den Tag, an dem er geboren ist, die Nacht, in der die Kunde von seiner Geburt überbacht wurde. Jeweils mehrere Verwünschungen spricht er über jenen Tag und jene Nacht aus. (1-10) Wäre es nicht besser für ihn gewesen, angesichts all seiner Leiden, wenn er nie geboren worden wäre? Dann wäre er als Fehlgeburt direkt in die Unterwelt gewandert. Diese ist nach damaligen Vorstellungen der Aufenthaltsort aller Toten, dort sind sie ohne Ansehen der Person. Nur Gott ist in der Unterwelt nicht zu finden. (11-19) Warum gibt er dem Elenden Licht und Leben denen, die in der Bitterkeit des Herzes sind? Der Mensch im Leid sehnt sich nach dem Grab, der Mensch, den all das trifft, wovor er in besseren Tagen zurückschreckte. Wer kennt das nicht, man hört von einer schweren Krankheit anderer, einem Unfall oder dergleichen und denkt, diese armen Menschen, zum Glück hat es aber uns nicht getroffen. Und plötzlich ist man selber in Bedrängnis, unverhofft kommt eine Krankheit, die Last des Alters. Wie schön waren doch die früheren Tage. Warum trifft mich nun all das, wovor mit bangte? Nicht wird mir Friede, nicht Stille nicht Ruh, schon kommt das Erbeben. (20-26)

Die zweite Rede Ijobs (6,1 - 7,21)

Schwer drückt Ijob das Leid, schwerer als aller Sand des Meeres. Er klagt nicht zu Unrecht, wie das Vieh nur dann schreit, wenn es kein Futter hat, so würde er seine Klage nicht erheben, wenn er keinen Grund dafür hätte. Er sieht Gott als Verursacher seiner Leiden. Würde Gott ihn doch ganz vernichten, das wäre besser als zu Leiden. Lieber ein schneller Tod als langes Siechtum. Sein Leib ist nicht aus Fels oder Erz, daß ihm die Leiden nichts ausmachten. Er hat die Hoffnung auf Hilfe aufgegeben. (6,1-13) Auch die Freunde nützen nichts. Sie sind wie vertrocknete Wasserläufe, denen Karawanen der Wüste in der Hoffnung auf Wasser folgen, aber enttäuscht werden und vor Durst umkommen. (14-20) Er erwartet doch nichts Unmögliches von ihnen. Er möchte nur ihre Zuwendung und daß sie an seine Rechtschaffenheit glauben. Aber sie verurteilen ihn und machen so seine Leiden nur noch schwerer. (21-30)
Noch einmal klagt Ijob sein Leid. Harter Kriegsdienst ist des Menschen Leben auf der Erde, er muß sich abmühen wie ein Tagelöhner, nur Enttäuschung und Mühsal sind ihm bestimmt. Seine Tage eilen schneller dahin als das Weberschiffchen, ohne jede Hoffnung. (7,1-6) So ist das Leben nur ein Hauch, plötzlich ist der Mensch wieder verschwunden von der Erde, wie eine Wolke, die verweht am Himmel.
Nun beginnt Ijob sich an Gott zu wenden. Warum achtet Gott so sehr auf den ach so vergänglichen Menschen? Was andere als Fürsorge Gottes erfahren, daß er den Menschen allezeit beschirmt, das wird für Ijob zur Qual. Gott ist für ihn ein Menschenwächter, der nur nach dem Schlechten im Menschen sucht und ihn straft. Wenn Gott die bösen Mächte, die Seeungeheuer einsperrt, dann kann Ijob das noch verstehen, denn das sind widergöttliche Mächte, die großen Schaden zufügen können. Aber er, der kleine, unbedeutende Mensch, kann Gott da nicht wegblicken? Aber es gibt auf Erden keinen Ort, auf den Gott nicht blicken kann, für den einen tröstlich - für Ijob eine unzumutbare Bedrängnis, denn er sieht sein Leid allein durch den strafenden Blick Gottes verursacht. (7-21)

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Ijob

Ijob - Die Frage nach dem Leid

Das Bild zeigt uns Ijob in seinem Leid. Wir hören seine Klage in den Versen aus dem Buch Ijob (7,1-7). Wir kennen selbst solche Zeiten in unserem Leben. Niedergeschlagenheit, Verzweiflung und Depression lähmen uns, nichts macht uns Freude. In der Nacht quälen uns die Sorgen und rauben uns den Schlaf, bei Tag sehnen wir die Nacht herbei. Das Leben erscheint uns wie eine unliebsame Aufgabe, die wir hinter uns bringen möchten.
Das Buch Ijob will eine Antwort auf die Frage nach dem Leid geben. Warum trifft es den Menschen und wie kann er sich daraus befreien? Wer mitten im Elend steckt, sieht oft keinen Weg der Besserung. So meint auch Ijob, das Glück nie mehr zu sehen. Doch wenn wir das Buch Ijob vom Anfang bis zum Ende lesen, so sehen wir, dass es Hoffnung gibt, Hoffnung für jeden Menschen, der meint, in seinem Elend festzustecken.
Doch den Weg der Hoffnung muss jeder für sich selbst entdecken. Andere Menschen können da nur Beistand bieten, damit einer nicht alleine ist in seinem Elend. Die Heilung aber kommt anderswo her. Am Ende des Buches Ijob sehen wir, wie Gott selbst mit Ijob spricht. Aus dem Gespräch mit Gott gewinnt Ijob eine neue Sicht auf sein Leben und Gott ist es auch, der ihm wieder neues Glück schenkt. Vertrauen wir darauf, dass es auch in unserem Leben wieder Licht und Freude geben wird, wenn uns die Nacht der Trübsal und des Zweifels umgibt.

Die dritte Rede Ijobs (9,1 - 10,22)

Ijob gibt seinen Freunden recht, kein Mensch kann sich selbst vor Gott als gerecht bezeichnen. Gott bleibt der Allmächtige, mit dem der Mensch nicht rechten kann. Die ganze Schöpfung ist in Gottes Hand. Selbst wenn der Mensch sich gerecht achtet, vor Gott würde ihn sein eigener Mund schuldig sprechen. Und doch fühlt sich Ijob als Gerechter. Er kann nicht begreifen, was mit ihm geschieht. Er ist gerecht und doch von Gott schuldig gesprochen. Kann man dann von Gott überhaupt noch Gerechtigkeit erwarten? Nein, meint Ijob, den Schuldigen und den Schuldlosen trifft das gleiche Urteil Gottes. Er versteigt sich sogar zu der Ansicht, daß dann Gott selbst ein Frevler sein muß, wenn Gerechtigkeit bei ihm nichts mehr zählt. Die Erde ist in Frevlerhand, das Gesicht ihrer Richter deckt er zu. Denn ist Gott es nicht, wer ist es denn? (9,1-24) Wer ist es denn der all das Unrecht gutheißt? Für Ijob ist Gott eben der, der alles bewirkt. Welche Antwort können wir an dieser Stelle geben? Muß alles Leid zwangsläufig auf Gott zurückgeführt werden? Woher kommt es denn?

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Ijob

Bis hierher hat Ijob Gott nur in der dritten Person ("Er") angeredet, nun beginnt langsam der Umschwung. Er kann manchmal "Du" sagen. Dennoch weiß er keinen Rat. Alle Gerechtigkeit erscheint umsonst. Hält er sich rein, so taucht ihn Gott in die Grube, daß er voll ist von Schmutz. Es gibt keinen Schiedsrichter zwischen Gott und dem Menschen. Wie gern würde Ijob mit Gott ins Gericht gehen, er ist dieses Lebens überdrüssig. (9,25 - 10,1)
Den Rest der Rede wendet sich Ijob nun an Gott, indem er ihn mit "Du" anspricht. Was nützt es Gott denn, wenn er ihn so quält. Er ist doch das Werk seiner Hände, Gott hat Ijob gebildet. Wenn er gesündigt hätte, könnte er den Zorn Gottes verstehen, so aber ist ihm Gottes Verhalten rätselhaft. Warum wurde er dann überhaupt geboren, nur für das Leid? Wenigstens einige schöne Tage möge Gott ihm noch gönnen, bevor er diese Erde verlassen muß, in die Unterwelt. (10,2-22)

Ist das nicht erstaunlich, in seinem größten Zorn gegen Gott wendet Ijob sich ihm plötzlich ganz neu zu. Er wird nicht irre an Gott. Er schreit ihm sein Leid ins Gesicht, er nimmt kein Blatt vor den Mund, aber doch ist Gott für ihn Gott, der über den Menschen steht. Er muß sich Gott zuwenden, selbst wenn er sich noch so mißverstanden und zu Unrecht von ihm gestraft fühlt. Selbst einem Gott, der ihm so viele Schmerzen zuzufügen scheint, vertraut Ijob. Der Zorn ist herausgelassen, nun appelliert er an Gottes Mitleid mit dem armen Menschen. Gott hat doch den Menschen geschaffen, er will doch das Gute für uns, warum bleibt es manchmal aus? In seiner nächsten Rede, die ich hier nicht mehr behandeln möchte, wird Ijob es so formulieren: Auch wenn Gott mich töten würde, werde ich auf ihn hoffen, doch meine Wege verteidige ich vor ihm. Und er selbst wird mein Retter sein. (13,15 f.) Ijob hat dieses Grundvertrauen auf Gott, das nichts erschüttern kann. Wenn ihm etwas nicht paßt, so scheut er sich nicht, Gott das vorzuhalten. Aber auch im größten Leid wird er sich nicht von ihm abwenden. Denn was auch geschieht, nur Gott kann ihn retten, niemand sonst.

Der Herr antwortete dem Ijob aus dem Wettersturm und sprach:
Wer verschloss das Meer mit Toren, als schäumend es dem Mutterschoß entquoll, als Wolken ich zum Kleid ihm machte, ihm zur Windel dunklen Dunst, als ich ihm ausbrach meine Grenze, ihm Tor und Riegel setzte und sprach: Bis hierher darfst du und nicht weiter, hier muss sich legen deiner Wogen Stolz? (Ijob 38, 1.8-11)